Für was steht Mazda? Für das Kodo-Design außen, bei dem sich wörtlich der „Herzschlag“ des Betrachters erhöhen soll, und das auch in der Vergangenheit oft tat. Für eine Fahrerorientiertheit, mit tiefem Fahrersitz und perfekt platzierten, leicht bedienbaren Elementen, innen. Für Skyactive-Motoren, mit viel Hubraum, aber bewusst moderater PS-Zahl, was als Rightsizing seine Fans findet.
Alles anders, gut, etwas nischig. Mit dem großen Trend der E-Mobilität tat man sich indes in Hiroshima schwer. Den MX-30 etwa sah man vor allem bei Vermietern, was keine schlechte Taktik ist, um neue Modelle ins Straßenbild zu bringen, aber im gesamten Flottenjahr 2025 kamen nur 34 in die deutschen Fuhrparks (2024 waren es immerhin 288). Also holte man sich E-Hilfe – nicht zum ersten Mal. Einen Mazda Tribute gab es als Ford, die Basis des Roadsters MX-5 fuhr als Fiat 124 Spider und der aktuelle Mazda 2 Hybrid ist sogar ganz offensichtlich ein Toyota Yaris.
Beim Mazda 6e steckt ein Changan drunter. Die Marke aus China, die selbst gerade Fuß in Europa und Deutschland fassen wollen. Dieses Joint-Venture gibt es übrigens seit rund 14 Jahren und Changan produziert Mazda-Modelle für den chinesischen Markt – nach wie vor.
Unser Fuß gleitet in die Mittelklasse-Limousine und der Rest folgt, nimmt Platz und freut sich zunächst. Denn die elegante Linie von außen, wird innen von einem sehr hochwertigen und gut zusammengestellten Mix an Infotainment und Materialen aufgegriffen und ergänzt. Der Einstieg passiert im 6e fast durch ein Hineingleiten. Dafür sind die Türgriffe unnötig umständlich in der Handhabung und spannend zu öffnen bei Eisregen. Die vier rahmenlosen Türen veredeln indes das Gefühl von Leichtigkeit. Beim Ein- und Aussteigen reinigt man jedoch mit seinem Hosenbein stets den Türschweller, der extrem weit absteht.
Das „leichte Gefühl“ wird allerdings getrübt, sobald man durch eine Engstelle fährt. Denn in den breiten Spiegeln finden sich Kameras wieder, die den seitlichen Abstand zentimetergenau ermitteln. Das brauchte es eigentlich nicht und zeigt ein Grundproblem des Asiaten. Viele Software-Elemente sind in ihrer Lösung für Dienstwagenfahrer reine Spielerei. Etwa die zahlreichen Einstellungen des Smart Fahrens. Die Art der Warnhilfen (Vibration, Ton) ist für jede Art von Assistenten wählbar. Braucht man das? Das hängt in erster Linie von der Intensität der Helferlein ab, die allesamt im Mazda nicht zu penetrant auftreten.
Die Fahrleistung, die Stärke der Rekuperation, die Lenkwirkung alles geht über die Software im Japaner. Die Fahrmodi differenzieren sich dabei zwar in der Fahrleistung, nicht aber im Abrollkomfort. Der ist und bleibt eher leicht zu hart. Von einem Fahrwerk kann deshalb nur bedingt reden.
Ein Zeichen, allerdings nach außen, ist der Heckspoiler. Dessen Aktivierung per Software zählt zu den schlecht übersetzten (Erhalten ein/Erhalten aus), die aber die Ausnahme sind. Der Spoiler wirkt an der eleganten Silhouette indes deplatziert. Insgesamt agiert die Kofferraumklappe schwerfällig.
Dafür (und das Ping-Pong-Spiel zwischen guten und weniger gelungenen Eigenschaften geht weiter) geht das Verbinden von Android Auto kabellos und das Handy wird beim induktiven Laden gekühlt. Ein Standard, den längst nicht jeder abbildet. Für die Kabelfreunde wird neben USB-C- auch ein USB-A- und ein 12-Volt-Anschluss geboten.
Android Automotive macht einen guten Job, den Zielwert als Akku-Restwert anzugeben ist in der E-Welt eine clevere und hilfreiche Lösung. Die Sitze vorn sind beheiz- und belüftbar. Die hellbraunen Sitzbezüge (Teil-Nappaleder und Veloursleder-Imitat) generieren eine passende Optik dazu. Die Sitzposition ist leider mehr SUV als Limousine, also zu hoch. Der Seitenhalt ist indes zu wenig ausgeprägt. Das Panorama-Glasdach kann mit einem elektrischen Sonnenrollo ganz oder teilweise verdunkelt werden.
Auch das Klima ist prima: dank der Zwei-Zonen-Automatik samt Luftreiniger mit Ionen-Generator. Ein Tipp: Die Lüftungsdüsen sollte man genau einstellen, dass es überall schnell warm wird. Die Wärmepumpe ist selbstredend dabei.
Aufgeräumt wirkt das Cockpit auch aufgrund der gut platzierten und dimensionierten Displays. Neben der 10,2-Zoll-Instrumententafel und dem hilfreichen Head-up-Display (hat etwa einen Kontrastmodus für Fahrten im Schnee) steht das 14,6-Zoll-Zentraldisplay im Fokus. Der Sony-Sound wiederum kommt aus 14 Lautsprechern, davon auch jene in der Kopfstütze des Fahrersitzes. In der Regel wird wohl der Radiosound laufen. Den zu starten ist – egal ob FM oder DAB – ein Glücksspiel.
Blicken wir in den Fond: Hier können die Mitreisenden neben der Klimaanlage auch das Sonnenrollo selbst steuern. Licht ist ob der mächtigen D-Säule hinten gern gesehen. Zu groß (1,80 Meter Plus) sollte man hinten aber nicht sein, wenn man während der Fahrt die Umgebung verfolgen möchte und nicht nur auf den Dachholm blicken will.
Ein USB-C-Anschluss muss für hinten reichen. Etwas einschränken muss man sich auch bei der Wahl der Koffer. Die 336 Liter Volumen bilden den Rahmen im klassischen Kofferraum. Im Frunk können nochmal 72 Liter rein, aber das ist eher das Staufach für die Ladehilfen – auf Wunsch schön mit einer robusten Tragetasche ausgestattet (100 Euro brutto).
Kommen wir zum Fahreindruck: Weder seine Länge von knapp fünf Metern noch sein Leergewicht von etwas über zwei Tonnen spürt man beim Fahren des China-Japaners. Er vermittelt die Mazda-typische Kompaktheit, besser Geschmeidigkeit.
Die 19 Zöller (245/45) passen gut zur Limousine. Die Gangschaltung funktioniert nach amerikanischem Vorbild. Die 258 PS (190 kW) sind eine gute, da ausreichende Kraftreserve. Das Drehmoment von 320 Nm spricht klar die Sprache der E-Mobilität. Die Kraft wird heckseitig dosiert, was der Fahrdynamik natürlich zugutekommt. Dass bereits bei Tempo 175 der Mazda eingebremst wird, ist für E-Mobilisten nachvollziehbar, aber in einigen Momenten auch schade.
Der Akku mit seinen 68,8 kWh (brutto) gibt ebenfalls einen durchdachten Eindruck wieder, was diese E-Limousine leisten soll und wer sich diese leisten kann – zum Preis kommen wir gleich. Das DC-Laden mit maximal 165 kW ist generell in Ordnung, sofern die Ladekurve dazu passt. Bei uns ging diese nicht über 96 kW, also sollte man nicht allzu sportliche seine Ladestopps planen.
Der Verbrauch von 22,8 kWh ist für den Minusgrad-reichen, bitterkalten Winter wirklich gut. So reicht der Akku ganzjährig etwa 300 Kilometer im gemischten Einsatzprofil. Laut WLTP könnten gut sechs Kilowattstunden pro 100 Kilometer weniger anfallen, was die theoretische Reichweite auf fast 480 km steigern würde. Innerstädtisch wären sogar gute 600 km Aktionsradius drin – nach WLTP-Lesart.
Beim Thema Strom liefert der Mazda noch eine Besonderheit. Die Möglichkeit, externe Geräte über die Traktionsbatterien mit Strom zu versorgen, ist eine schöne Spielerei für ein Fahrzeug, das weder für den Baustelleneinsatz noch für den Offroad-Betrieb taugt.
Neben dem Aktionsradius, der Ausstattung und der Performance ist natürlich der Preis ein Hauptmarker – gerade bei neuen E-Modellen. Unser Mazda 6e EV fuhr mit dem Takumi-Plus-Niveau vor (darunter gibt es nur den Takumi) und rief knapp über 40.000 Euro (netto) auf. Davon entfielen gute 700 Euro für den Aero Grey Metallic-Lack.
Das ist durchaus ein guter Tarif für das Paket, zumal Mazda die Fahrzeuggarantie auf sechs Jahre (oder 150.000 km) schraubt, die E-Komponenten erhalten – wie üblich – 8 Jahre oder 160.000 km die Herstelleraufsicht. Wer noch weiter touren will, greift zum Long Range mit 80-kWh-Akku und etwas weniger Power (180 kW/245 PS) und zahlt in der Basis ab 39.075 Euro – dann aber mit magerer Maximal-Ladeleistung von lediglich 90 kW.
Ein bisschen weniger Software-Spielerei, dafür mehr praktisches wie Zurrösen im Kofferraum, wären insgesamt der goldene Mittelweg für den Mazda 6e, dessen chinesische DNA nicht vollends zum japanischen Erbe passen will. Zu guter Letzt noch ein (für manche Käufer) versöhnlicher Ausblick. So ist der Mazda 6e zwar eine elegante Mittelklasse-Limousine, aber auch bei Mazda-Kunden regiert das Hochbein. CX60, CX-30 und CX-80 sind die Top drei 2025 im Flottenmarkt – mit großem Abstand. Also gibt es parallel auch demnächst den CX-6e, das SUV im schicken Kleid – ebenfalls von Changan.