Langstrecke? Im Kleinwagen? Im Fiat Grande Panda? Ja. Ja. Ja. Und ja, es funktioniert. Und es treten Aspekte auf, die wohl nur wenige Menschen bemerken – und vermutlich noch weniger stören.
Wir schreiben das Jahr 2026 und den Monat Oktober. Der Fiat Grande Panda ist seit gut einem Jahr auf dem Markt. Mittlerweile in voller Bandbreite, was bedeutet: Benziner, Hybrid, Elektro. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Wir wählten die goldene Mitte. Das sollten diejenigen tun, die zwar auf Kleinwagen schwören, nicht aber die beim Elektro-Kleinwagen technisch bedingten Nachteile in Kauf nehmen wollen, da hin und wieder doch mal die Langstrecke ansteht. Das Ladepotenzial des Grande Panda Elektro geht zwar als klassenüblich durch, ebenso die bauartbedingte Akkugröße. Aber nach kurzen 280 Kilometern muss dennoch (auf der Langstrecke) geladen werden – selbst mit dem großen 53-kWh-Akku.
Test: Fiat Grande Panda Hybrid
44 Liter im Tank im Fiat Grande Panda
Anders beim Hybrid, der fährt und fährt und fährt. 44 Liter Tankinhalt sind viel für den Kleinen. Bei einem Normverbrauch von gut fünf Litern ist die 1000-Kilometer-Marke in Sichtweite, aber doch nicht erreichbar. Selbst im urbanen Umfeld, dem Stammgebiet auch des Grande Panda, genehmigt sich der Dreizylinder-Turbo im Test 4,8 Liter – und damit weniger, als der WLTP verspricht. Möglich macht das der im Getriebe integrierte Elektromotor, der es rechnerisch auf 29 PS Leistung und 55 Newtonmeter Drehmoment bringt. Klingt gut? Ist es auch. Der untertourig anstrengend brummende Verbrenner hat zum Glück häufig Arbeitsverbot. Das Anfahren gelingt oft rein elektrisch, ebenso das Gleiten in der Stadt, selbst über einen Kilometer weit. Und auch auf Landstraßen kann man bei Tempo 80 in der Ebene fast zwei Kilometer ohne Benzin fahren. Generell schaltet der Verbrenner sehr häufig in den „Off-Modus“. Wer sich auf der Autobahn an die Richtgeschwindigkeit hält, muss mit sechs Litern rechnen. Das führte dazu, dass wir im Mix über knapp 1.700 Kilometer bei einem Verbrauch von 5,4 Litern landeten.
Wer viel Leistung verlangt, weckt den Benziner hörbar – zu spüren ist hingegen fast nichts. Ob man elektrisch oder mit Sprit fährt, zeigt daher sicherheitshalber der Tachometer an, der sich von weiß (Benzin) zu blau (elektrisch) färbt. 100 PS liefert der im Stellantis-Konzern wirklich omnipräsente Zwölfhunderter und hilft für flotte Fahrwerte des immerhin 1.350 Kilogramm schweren 4-Meter-Italieners, der in Serbien geboren wird. Fix gebunden ist der Dreizylinder beim Hybrid an das zumeist ruckfrei agierende Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, das keinerlei manuelle Schaltmöglichkeit erlaubt. Es gibt zwar einen L-Modus in der mickrigen Schaltmimik – sofern man die Taste erfummelt. Diese Funktion hilft beispielsweise bei Bergabpassagen – aber sie wird vermutlich fast nie gedrückt.
Der Fiat Grand Panda ist elektronisch eingebremst
Bei 160 km/h wird der Grande Panda Hybrid zu früh elektronisch eingebremst. Liebe Fiat-Entwickler: Warum macht Ihr das? Der Wagen liegt mit den 17-Zoll-Rädern trotz des kurzen Radstandes ziemlich souverän, das Fahrgefühl ist jederzeit stabil. So überrascht der Grande Panda generell mit einem komfortabel und fahrsicher abgestimmten Fahrwerk. Weniger komfortabel: Die Windgeräusche nehmen ab 140 km/h deutlich zu. Dafür lässt aber die Kraft auch bei dem Tempo kaum nach. Wir vermissen im Programm daher einen 80-PS-Turbo. Der könnte günstiger sein, wäre flott genug und „müsste“ nicht künstlich kastriert werden.
Als nur bedingt stadtoptimiert erweist sich der Wendekreis des Grande Panda. 10,9 Meter sind für einen Kleinwagen (zu) viel. Das schaffen andere mit 1,5 Metern weniger. 18,3 Zentimeter Bodenfreiheit sind im Positiven hingegen viel. Hier kommt dem Grande Panda sein Konzept zugute, das gerade im urbanen Bereich Vorteile beim Kopfparken hat. Die Frontschürze wird wohl nie auf den Bordstein aufsetzen oder an ihm zersplittern.
Weiterer Pluspunkt der Standhöhe: Das Einsteigen gelingt einfach und bequem – auch dank der hohen und quadratischen Türen. Und das, obwohl es innen keine Dachhaltegriffe gibt. Ebenso fehlt eine Deckenleuchte im Fond, beispielsweise, um die Kinder im Dunkeln anschnallen zu können. Diese sitzen hinten sehr passabel. Auch Erwachsene können dort vernünftig mitreisen. Vorne stört die wulstige Form der fest integrierten Kopfstützen, die bei langen Menschen in den oberen Rücken drücken. Die Sitzposition ist hingegen prima, kein Grund zur Klage, da sich Lenkrad und Sitze gut verstellen lassen. Sogar eine Beifahrerhöhenverstellung ist beim Topmodell La Prima dabei. Eine verstellbare Mittelarmlehne überdies.
Klare, einfache Bedienung im Fiat Grande Panda
Bedient wird vieles manuell. Sitz- und Lenkradheizung haben physische Tasten, die ebenso blind bedient werden können, wie das Verändern der Innenraumtemperatur via Klimaautomatik-Wippe. Gut so. Wirkliche Probleme ergeben sich bei den rudimentären Möglichkeiten eh kaum. Und dennoch vermisst man im Fiat Grande Panda La Prima nichts. Exzellent gelöst ist das Deaktivieren von Tempo- und Spurhalteassistent. Das Zweifingersystem wird die erste Bewegung nach dem Motorstart bei vielen Fahrern sein.
Danach wird der Gang mit der kleinen Wippe eingelegt. Die ist vermutlich so klein, dass viele danebengreifen und dabei den stets unschön anzuschauenden Klavierlack auf der Mittelkonsole zerkratzen. Das passiert mit Fingernägeln, Schlüsseln, Smartphone (Induktivladeschale befindet sich davor) und allem, was da mal so drüberfliegt. Ja, selbst beim Putzen entstehen Kratzer. Klavierlack? Bitte nicht. Auch sonst darf man von der Materialqualität nichts erwarten. Die Kofferraumauskleidung wirkt eher wie eine Temu-Picknickdecke, die im Kofferraum ausgeworfen wurde. Immerhin gibt es Verzurrösen. Das macht jeder chinesische Hersteller in der Preisklasse heute deutlich hochwertiger und da hat Fiat und der Stellantis-Konzern eine lösbare Aufgabe für das Facelift vor sich.