Wenn bei einem nicht fahrerbezogenen Firmenwagen ein Warnsymbol im Kombiinstrument aufleuchtet, passiert in vielen Fuhrparks erst einmal: nichts. Der Fahrer sieht die Warnmeldung zwar, fährt seine Tour aber häufig zu Ende. Und sagt nichts: vergessen, ignoriert, Zeitdruck. Beim nächsten Kollegen dasselbe. Hinzu kommt, dass moderne Autos ab und an einfach ein Update Over The Air (OTA) benötigen. Also eine Software-Auffrischung, die direkt aus dem Auto heraus durchgeführt wird. Manche Hersteller verlangen dafür den Stillstand des Autos, bei anderen gelingt es während der Fahrt. Einige Updates merkt niemand. Andere benötigen den initialen Druck auf die entsprechende Kachel im Display. Bei Poolfahrzeugen klicken die Wenignutzer oft „später“. Denn wer weiß, wie lange das nun dauert. Wer beim Volvo EX30 fünfmal „später“ drückt, muss fürs eigentlich profane OTA-Update dann doch physisch in die Werkstatt. Der Zeitaufwand multipliziert sich – unnötigerweise.
Ford Pro – Dealer Uptime Service
Teuer für Unternehmen
Für Unternehmen kann das teuer werden. Nicht eine relevante Reparatur selbst ist häufig das größte Problem, sondern der zeitlich ungeplante Ausfall. Touren müssen spontan umdisponiert werden, Lieferungen verspäten sich und Ersatzfahrzeuge stehen oft nicht sofort bereit – oder sind teuer für die Kurzzeitnutzung.
Diese Situationen will Ford vermeiden. Mit „Dealer Uptime Services“ führt die Nutzfahrzeugsparte Ford Pro ein neues Serviceangebot ein, das vor allem kleine und mittlere Flotten im Blick hat. Die Idee dahinter: Vernetzte Fahrzeuge melden ihren technischen Zustand kontinuierlich an den betreuenden Ford-Händler, der daraus den notwendigen Handlungsbedarf ableitet und aktiv auf den Kunden zugeht. Statt auf Probleme zu reagieren, sollen diese möglichst beseitigt werden, bevor das Fahrzeug überhaupt stehen bleibt. Proaktiv ist das in der Pressekonferenz im Autohaus Ernst & König in Freiburg oft genutzte Schlagwort.
Ford baut Nutzfahrzeugstrategie weiter aus
Bei Ford Deutschland, Initiator von Dealer Uptime Services, geht es um mehr als eine neue Software. Die Kölner bauen damit ihre Strategie weiter aus, sich vom reinen Nutzfahrzeughersteller zum Serviceanbieter zu entwickeln, und integrieren dazu die Handelspartner. Diese dürften mit dem Nutzfahrzeuggeschäft sowieso sehr zufrieden sein. Seit 2012 haben die Kölner ihren Marktanteil in Deutschland mehr als verdoppelt und liegen vor VW-Nutzfahrzeuge und Mercedes-Benz. 2025 lag der Marktanteil bei 18 Prozent, bis Mai 2026 bereits bei mehr als 21 Prozent.
Gleichzeitig wurde die Modellpalette konsequent elektrifiziert. Alle fünf Nutzfahrzeugmodelle – Transit Courier, Transit Connect, Transit Custom, Transit und Ranger – sind mittlerweile auch mit elektrifiziertem Antrieb erhältlich, bis auf den Pick-up Ranger sogar rein elektrisch (Bev).
Und mit der zunehmenden Vernetzung der Fahrzeuge (Verbrenner wie elektrifizierte Versionen) entstehen neue Möglichkeiten. Rund 260.000 vernetzte Ford-Nutzfahrzeuge sind inzwischen allein in der DACH-Region unterwegs. Sie liefern Daten über Fahrzeugzustände, Warnmeldungen oder anstehende Wartungen. Große Flotten nutzen solche Informationen bereits seit Jahren und werten die Daten intern aus. Für kleinere Betriebe fehlten bislang jedoch häufig die personellen Ressourcen, um diese Daten sinnvoll zu nutzen. Genau hier setzt Dealer Uptime Services an.
Bis zu 50 Prozent weniger Ausfallzeiten
Über das sogenannte Vehicle Care Portal erhält der Ford-Händler – nach Zustimmung des Kunden – Einblick in den technischen Zustand der Fahrzeuge. Er sieht Warnmeldungen, erkennt bevorstehende Wartungen oder verfügbare Softwareupdates und kann im Vorfeld auf den Kunden zugehen. Im Autohaus Ernst & König werden diese Daten nach eigenen Angaben mehrfach täglich von den Servicemitarbeitern abgefragt. Entdecken diese eine Auffälligkeit, wird nicht gezögert, bis das Fahrzeug liegen bleibt. Der Kunde wird direkt kontaktiert, ein Werkstatttermin geplant und bei Bedarf bereits die passende Ersatzmobilität organisiert. Diese kann auch sehr speziell sein. Oft gibt es ein passendes Fahrzeug in der Region. Ford spricht von einer möglichen Reduzierung der Ausfallzeiten um bis zu 50 Prozent.
Interessant ist dabei vor allem die neue Rolle des Händlers. Bislang war er häufig derjenige, der auf einen Anruf des Kunden wartete. Künftig soll er zum Akteur im Fuhrparkmanagement werden. Das bedeutet zwar zusätzlichen Aufwand, weil Daten überwacht, Kunden kontaktiert und Termine koordiniert werden müssen. Gleichzeitig entstehen aber neue Chancen. Werkstatttermine lassen sich besser planen, Ersatzteile frühzeitig bestellen und die Auslastung der Werkstatt gleichmäßiger steuern.
Der Kunde profitiert von weniger ungeplanten Ausfällen. Der Händler wiederum gewinnt planbare Serviceaufträge und eine engere Kundenbindung. Aus dem klassischen Reparaturbetrieb wird ein Dienstleister, der Probleme möglichst verhindert. Und das für den Kunden völlig ohne Zusatzkosten. Auch der Handel profitiert von der Softwarelösung, die Ford Deutschland ebenfalls kostenfrei zur Verfügung stellt.
Wirtschaftlicher Schaden von rund 1.000 Euro
Wie relevant das sein kann, zeigt das Beispiel der Metzgerei Reichenbach im Glottertal. Das Familienunternehmen hält rund 1.200 Rinder, bewirtschaftet etwa 500 Hektar Fläche, beliefert wöchentlich 10.000 Direktkunden und versendet zusätzlich rund 1.000 Pakete über den eigenen Onlineshop. Es gibt keinen Zwischenhändler. Entsprechend wichtig sind die rund 30 Fahrzeuge der Flotte. Geschäftsführer Ulrich Reichenbach errechnete bei einem ungeplanten Ausfall eines Transporters einen wirtschaftlichen Schaden von etwa 1.000 Euro pro Tag.
Für ihn liegt der Nutzen deshalb auf der Hand. Der Betrieb muss nicht selbstständig Fahrzeugdaten überwachen oder Wartungstermine im Blick behalten. Stattdessen übernimmt der Händler einen Teil dieser Aufgaben und meldet sich frühzeitig, wenn Handlungsbedarf besteht. Die Metzgerei kann sich stärker aufs Kerngeschäft konzentrieren.
Mobile Werkstatt kommt zum Kunden
Zum Konzept gehört allerdings noch mehr als die reine Datenanalyse. Eine wichtige Rolle spielt der mobile Service von Ford Pro, den wir bereits 2023 bei einem der frühen Einsätze begleiten konnten.
Aktuell sind deutschlandweit 93 Service-Vans unterwegs, die alle identisch ausgerüstet sind und mit denen der Mechatroniker fast alle Arbeiten „on the road“ erledigen kann. Mit diesen mobilen Werkstätten können nach Angaben von Ford rund 80 Prozent aller geplanten Wartungs- und Servicearbeiten direkt beim Kunden durchgeführt werden. Dazu zählen Inspektionen, Verschleißreparaturen und Softwareupdates.
Für Fuhrparks bedeutet das weniger Fahrten zur Werkstatt und kürzere Standzeiten. Gleichzeitig entsteht für die Händler zusätzliche Flexibilität und mehr freie Termine, falls die Werkstatt im Autohaus bereits ausgelastet ist. Die mobilen Servicefahrzeuge werden somit zur verlängerten Werkbank.
Genau im Zusammenspiel dieser Bausteine sieht Ford den Mehrwert. Die vernetzten Fahrzeuge liefern die Daten. Dealer Uptime Services macht daraus konkrete Handlungsempfehlungen. Der Händler übernimmt die Koordination. Der mobile Service bringt die Werkstatt zum Kunden. Und die Ersatzwagen-Sparte Ford Pro Mobility stellt bei Bedarf speziell umgerüstete Nutzfahrzeuge bereit.
Am Ende geht es deshalb weniger um Software als um Organisation. Doch ohne die Software ist das Organisieren schwierig. Die Technik erkennt entstehende Probleme zwar früher. Entscheidend bleibt aber der Mensch, der daraus eine passende Lösung macht. Oder anders gesagt: Die Warnleuchte soll künftig nicht mehr tagelang unbeachtet im Cockpit leuchten. Im Idealfall klingelt vorher das Telefon – und der Händler hat bereits einen Terminvorschlag im Autohaus oder vor Ort beim Kunden im Hof.