Der Wind peitscht Regen durch die Straßen von Porto. Die wenigen Passanten kämpfen mit ihren Schirmen und haben kaum einen Blick für die vier bunt beklebten Skodas, die an diesem stürmischen Tag durch die Küstenstadt fahren. Dabei würde es sich durchaus lohnen, genauer hinzuschauen. Denn unter der Tarnfolie verbirgt sich der neue Epiq, das dritte Elektroauto der Tschechen und wohl das Modell mit dem größten Potenzial.
Erstmals kündigt Skoda einen Stromer an, der nicht mehr kosten soll als ein Verbrenner. Das Pendant zum Epiq ist der Kamiq, der kleinste SUV der Marke mit Benzinmotor. Und der steht derzeit ab 26.000 Euro in der Preisliste. In dieser Größenordnung soll sich auch der Einstiegspreis des E-SUV bewegen, wenn die Tschechen im Mai ihren Konfigurator öffnen.
Skoda Epiq Erlkönig
Skoda Epiq komplett neu entwickelt
Allerdings handelt es sich dabei nicht einfach um eine elektrische Version des Kamiq. Vielmehr wurde der Wagen komplett neu entwickelt. Er gehört zu der für 2026 angekündigten Elektrooffensive des VW-Konzerns, mit der man die Elektromobilität endgültig auch breiten Schichten zugänglich machen will. VW ID.Polo und dessen spanischer Bruder Cupra Raval sowie ihre SUV-Ableger ID.Cross und eben der Skoda Epiq basieren alle auf einer neuen Architektur für elektrische Kleinwagen. Gebaut werden sie in Spanien. Epiq und ID.Cross im Volkswagen-Werk Pamplona, ID.Polo und Raval bei Cupra in Martorell.
Innerhalb dieses Quartetts übernimmt der Skoda eine klare Rolle: Während der bei rund 25.000 Euro startende ID.Polo und der Raval eher klassische Kleinwagen bleiben, zielt der Skoda auf Kunden, die etwas mehr Übersicht, Platz und Variabilität erwarten. Mit 4,17 Metern Länge ist er zwar rund sieben Zentimeter kürzer als sein Markenbruder Kamiq, bietet mit 475 Litern aber den deutlich größeren Kofferraum. Die Batterie im Boden sorgt zudem für eine leicht erhöhte Sitzposition. Im Vergleich zum ID.Polo ist das SUV-Konzept erst recht spürbar. Im Tschechen sitzt man gut drei Zentimeter höher, mit entsprechend besserer Übersicht im Stadtverkehr.
Skoda Epiq auf neuer MEB21-Plattform
Der Zeitpunkt für den Marktstart ist günstig. 2025 war für Skoda ein sehr erfolgreiches Jahr. Der Elroq war die Nummer zwei unter den meistverkauften Elektroautos Europas, und auch der inzwischen vier Jahre alte Enyaq blieb konstant in den Top Ten.
Im Einstiegssegment dürfte der Wettbewerb nun allerdings deutlich schärfer werden. Kleinwagen wie Fiat Grande Panda, Citroen e-C3 und Renault 4 und 5 sind bereits auf dem Markt, Kia und Hyundai haben ihre Modelle in Startposition gebracht. Und wenn 2027 die China-Marke MG ihren Ministromer schickt, wird es erst richtig eng.
Trotzdem haben das VW-Quartett insgesamt und der Skoda Epiq im Besonderen gute Voraussetzungen, um durchzustarten. Die neue MEB21-Plattform setzt auf Frontantrieb, kompakte Aggregate und eine platzsparend im Boden integrierte Batterie. Außerdem bietet sie erstmals im VW-Konzern die Möglichkeit zum Ein-Pedal-Fahren. Darauf greifen wir im dichten Stadtverkehr von Porto gerne zurück. Allerdings muss die stärkste Rekuperationsstufe etwas umständlich im Bordmenü aktiviert werden. Dafür verzögert der Wagen im B-Modus bis zum Stillstand, im Stop-and-Go eine willkommene Entlastung des rechten Fußes.
Mindestens 85 kW/115 PS stark
Auch sonst gibt es einige technische Details, die der Stromer dem Verbrenner-Bruder Kamiq voraus hat. So verfügen die optionalen Matrix-Scheinwerfer über zwölf LED-Module, der Kamiq kommt nur auf acht. Auch die Möglichkeit, das Auto per App vorzuheizen oder Software-Updates drahtlos einzuspielen, gehört zu den Vorteilen, die man im Alltag schnell schätzen lernt.
Zum Marktstart im Mai lässt sich zunächst nur der Epiq 55 bestellen. 155 kW/211 PS stark, mit 290 Newtonmetern Drehmoment und einer NMC-Batterie auf Nickel-Mangan-Kobalt-Basis markiert er die Topversion. Von den 55 kWh des Akkus lassen sich 51,7 kWh nutzen, was nach WLTP für bis zu 430 Kilometer reichen soll. In der Praxis dürften es deutlich weniger sein. Auf unserer Testrunde pendelte sich der Bordcomputer bei rund 15 kWh pro 100 Kilometer ein, was Reichweiten um die 300 Kilometer realistisch erscheinen lässt.
Im November schieben die Tschechen die schwächeren Versionen 35 mit 85 kW/115 PS und 40 mit 99 kW/135 PS nach. In ihrem Boden sitzt eine günstigere LFP-Batterie auf Lithium-Eisenphosphat-Basis. Der 37 kWh große Akku ist offiziell für 315 Kilometer gut, was im Alltag eher auf rund 250 Kilometer hinauslaufen dürfte. An Wallbox und Wechselstromladern laden beide Batterietypen mit 11 kW. Am Schnelllader sind je nach Version 50, 90 oder 125 kW möglich. Der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent dauert rund 23 Minuten. Anfang 2027 ergänzt eine Sportline-Version das Angebot.
Skoda Epiq: Hinten geht es luftig zu
Unser Testwagen rollt auf großen 18-Zoll-Rädern. Möglich sind Felgen von 17 bis 21 Zoll. Trotzdem federt der Epiq überraschend komfortabel über die schlechten Straßen von Porto. Trotz des höheren Aufbaus wirkt er ruhig und stabil. Ob man im Stadtverkehr tatsächlich 155 kW Leistung braucht, muss jeder für sich entscheiden. Fakt ist: Der Motor liefert reichlich Schub. Im Alltag dürften die kleineren Varianten völlig genügen. Die Sitze der mittleren Ausstattung Loft sind eher bequem und weich, passend zum Fahrwerk. Wer es sportlicher mag, greift besser zur Top-Ausstattung Suite mit strafferem, stärker konturiertem Gestühl.
Und hinten? Dort geht es für ein nur 4,17 Meter kurzes Auto verhältnismäßig luftig zu. Langbeinige Passagiere sitzen zwar mit deutlich angewinkelten Knien, finden aber ausreichend Platz für die Füße und können sie gut unter die Vordersitze schieben.
Im Cockpit setzt Skoda auf ein aufgeräumtes Layout mit großem Zentraldisplay und echten Tasten für Fahrmodi und Klimafunktionen. Weitere Schalter sitzen am Lenkrad. Alles funktioniert so, dass auch Markenneulinge auf Anhieb mit dem Auto zurechtkommen. Dazu kommen die markentypischen Nettigkeiten wie der Schirm in der Tür oder der Eiskratzer in der Ladeklappe. Am praktischsten ist jedoch die kleine, an der Rückseite der Rückbank befestigte Tasche fürs Ladekabel.
Auch wenn die Tarnfolie das Design noch verbirgt, ist klar, wofür der Skoda Epiq steht. Für ein unaufgeregt funktionales und bezahlbares Elektroauto, das seinen Weg machen dürfte, selbst wenn wie an diesem stürmischen Tag in Porto kaum jemand hinschaut.