Nanu, was steht denn da im Fahrzeugschein? Renault. Dabei befinden wir uns doch in einem Mitsubishi Eclipse Cross. Die technische Verwandtschaft lässt sich also nicht verleugnen. Muss sie auch nicht, denn der neue elektrische Japaner übernimmt einiges, was bei den Franzosen ausgesprochen gut funktioniert.
Schon optisch erinnert der 4,49 Meter lange Crossover an bekannte Elektroautos aus dem Renault-Konzern. Mit seiner flachen Silhouette, der klar gezeichneten Front und dem kontrastierenden schwarzen Dach wirkt der Eclipse Cross eher dynamisch als wuchtig. Ein klassisches, hoch aufragendes SUV ist er nicht. Unser Testwagen in Himalaya-Weiß und Onyx-Schwarz rollte auf 20-Zoll-Rädern und kostete in der Ausstattung "Diamant Top" samt Luxury-Paket 55.340 Euro.
Vorne empfängt der Mitsubishi Fahrer und Beifahrer mit erfreulich großzügigen Platzverhältnissen. Die Sitzposition fällt nicht übertrieben hoch aus, gibt aber einen guten Überblick. Die weichen und bequemen Vordersitze sind elektrisch einstellbar, beheizbar und verfügen über eine Memory-Funktion. Der Fahrer bekommt außerdem eine Massagefunktion. Eine Sitzbelüftung fehlt dagegen, schade, die wäre an diesen heißen Augusttagen 2026 eine Wohltat gewesen.
Zwischen den Sitzen breitet sich eine mächtige Mittelkonsole aus. Sie bietet zwei Cupholder, USB-C-Anschlüsse und unter der Armlehne ein angenehm tiefes Ablagefach. Die Armlehne selbst lässt sich allerdings nicht in der Höhe verstellen. Auch die induktive Ladeschale ist nicht optimal zugänglich. Das Smartphone dort sauber zu platzieren, erfordert mitunter etwas Fingerspitzengefühl.
Nicht ganz überzeugend sind zudem die versenkbaren Türgriffe. Sie mögen der Aerodynamik (minimal) helfen und im Stand elegant wirken, sind im Alltag aber weniger praktisch als klassische Griffe. Hinzu kommt ein ordentliches Hebel- und Tastenaufkommen rund um das Lenkrad. Hat man sich daran gewöhnt, lässt sich der Eclipse Cross jedoch weitgehend unkompliziert bedienen.
Das Infotainment gehört zu den großen Stärken des Autos. Der zentrale Zwölf-Zoll-Touchscreen reagiert zügig, die Menüstruktur erschließt sich ohne langes Studium der Bedienungsanleitung. Google Maps und der Google Assistant stehen direkt im Fahrzeug zur Verfügung. Die Routenplanung funktionierte im Test zuverlässig. Android Auto und Apple CarPlay lassen sich ebenfalls kabellos nutzen.
Auch die Fahrassistenten geben keinen größeren Anlass zum Ärger. Unerwünschte Systeme können mit einem Doppelklick auf einer physischen Taste unkompliziert deaktiviert werden; die Warntöne halten sich grundsättzlich akustisch angenehm zurück. Ganz fehlerfrei arbeitet die Elektronik allerdings nicht: Gelegentlich meldete sich die Kollisionswarnung, obwohl kein Hindernis zu erkennen war. Zur umfangreichen Sicherheitsausstattung gehören unter anderem adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spurhalte- und Spurfolgeassistent, Totwinkelwarner, Ausparkassistent und 360-Grad-Kamera.
Ein ungewöhnliches Detail ist das elektrochromatisch dimmbare Panoramadach. Statt eines klassischen Rollos verdunkelt sich die Glasfläche auf Knopfdruck. Hinzu kommt ein klangstarkes Harman-Kardon-Soundsystem mit neun Lautsprechern und verschiedene Klangprofile.
Auch im Fond ist der Eclipse Cross großzügig geschnitten. Vor allem die Beinfreiheit überzeugt, selbst wenn die Vordersitze auf normal große Erwachsene eingestellt sind. Weniger flexibel zeigt sich die Rückbank: Sie lässt sich weder verschieben noch in der Lehnenneigung verstellen. Immerhin ist die Lehne im Verhältnis 40:20:40 geteilt, sodass eine praktische Durchreiche zur Verfügung steht.
Der Kofferraum fasst laut Hersteller 545 Liter, bei umgelegten Rücksitzlehnen sollen bis zu 1.670 Liter hineinpassen. Im Alltag stören allerdings die hohe Ladekante und eine Vertiefung im Ladeboden. Das Gepäck muss über eine spürbare Kante gehoben werden. Positiv fallen die stabilen Haken und Verzurrösen auf. Die elektrische Heckklappe schwingt weit nach oben, was großen Menschen entgegenkommt, in niedrigen Garagen aber Aufmerksamkeit verlangt. Einen zusätzlichen Stauraum unter der Fronthaube gibt es nicht.
Angetrieben wird der Eclipse Cross von einem 160 kW beziehungsweise 218 PS starken Elektromotor an der Vorderachse. Das maximale Drehmoment beträgt 300 Newtonmeter. Aus dem Stand erreicht der knapp zwei Tonnen schwere Wagen nach 7,9 Sekunden Tempo 100, bei 170 km/h ist Schluss. Auf der Straße präsentiert sich der Mitsubishi angenehm ausgewogen. Die Lenkung arbeitet direkt, das Fahrwerk vermittelt eine sichere Straßenlage. Dabei bleibt der Crossover komfortabel genug für längere Etappen. Vier Fahrprogramme verändern den Charakter spürbar. Im Eco-Modus erfolgt die Beschleunigung deutlich zurückhaltender, zudem wird die Geschwindigkeit auf 115 km/h begrenzt.
Über Schaltwippen am Lenkrad stehen vier Rekuperationsstufen zur Verfügung. Ihre Abstimmung ist gelungen, auch weitgehend einpedaliges Fahren ist möglich. Nur der Gangwahlhebel verlangt gelegentlich Geduld, weil er Befehle nicht immer sofort umsetzt. Dieses Verhalten kennt man bereits aus anderen Renault-Modellen.
Beim Verbrauch hinterließ der Eclipse Cross einen guten Eindruck. Nach einer Strecke mit rund zwei Dritteln Autobahn und einem Drittel Landstraße zeigte der Bordcomputer lediglich etwa 18 kWh je 100 Kilometer an. Der offizielle kombinierte WLTP-Wert beträgt 17,1 kWh je 100 Kilometer. Mitsubishi nennt für die 87-kWh-Batterie eine Reichweite von bis zu 615 Kilometern.
Auf dem Papier kann der Eclipse Cross Gleichstrom mit bis zu 150 kW aufnehmen. Im Test waren jedoch nur maximal 110 kW drin. Oberhalb von 80 Prozent sank die Ladeleistung auf maximal ungefähr 50 kW. Mitsubishi gibt für den Bereich von 15 bis 80 Prozent sodann auch eine Ladezeit von etwa 37 Minuten an. Positiv: Der Ladeanschluss sitzt gut erreichbar auf der rechten Fahrzeugseite, das Manövrieren an die Säule fällt so leicht.
Deutlich überzeugender sieht es beim Laden mit Wechselstrom aus: Der serienmäßige 22-kW-Onboard-Charger ist im Flottenalltag ein echter Vorteil, sofern am Standort eine entsprechend leistungsfähige Ladesäule zur Verfügung steht. An einer 11-kW-Wallbox dauert eine komplette Ladung laut Hersteller rund neun Stunden.
Der neue Eclipse Cross trägt zwar das Mitsubishi-Logo, macht aus seiner Renault-Technik aber kein großes Geheimnis. Das ist überwiegend eine gute Nachricht. Platzangebot, Sitzkomfort, Infotainment, Verbrauch und Fahrverhalten überzeugen. Auch der 22-kW-AC-Lader ist für gewerblich genutzte Fahrzeuge ein starkes Argument.
Abzüge gibt es für die geringe Variabilität im Fond, die hohe Ladekante und die im Praxistest nur mäßige DC-Ladeleistung. Wer damit leben kann, erhält einen komfortablen und angenehm unkomplizierten Elektro-Crossover. Nur die versenkbaren Türgriffe hätte Mitsubishi gerne gegen eine bodenständigere Lösung tauschen dürfen.