Auf der Bundesautobahn A3, als einer der meistbefahrenen Verkehrsadern, pulsiert es auch rege auf dem Abschnitt zwischen Deggendorf und Passau. Starker Berufs- und Lkw-Verkehr sowie große Reisewellen zu Urlaubszeiten in den Süden, gepaart mit Baustellen, führen dort immer wieder zu Unfällen, Autobränden oder anderen Ereignissen, zu denen auch die Feuerwehr der anliegenden Gemeinde Hengersberg ausrücken muss.
Bei einem solchen Einsatz waren die Rettungskräfte vor einigen Jahren wieder gefordert. Das Problem war: Die großen Lkw drangen mangels durchgängiger Rettungsgasse nicht bis zum Unfallort vor. "Damals ist zufällig ein Polizist auf seinem Dienstmotorrad gekommen und hat es als erstes an die Einsatzstelle geschafft", sagt Stefan Schlederer, erster Vorsitzender der Feuerwehr Hengersberg.
Erste Einsätze gelungen
Welche Hilfe ein solches Gefährt sein kann, bestätigte ihm nochmals die Zeit von Juni bis Juli 2019, als der Förderverein Katastrophenschutz des Landkreises Deggendorf ein Einsatzmotorrad stationiert hatte, das als Vorhut auf der Autobahn diente. Mit ihm haben die Fahrer beispielsweise schnell über Not-Ein- und -Ausfahrten die Lage erkundet und die ideale Anfahrt für die schweren Lösch- und Rettungs-Kfz ermittelt. "Im Herbst desselben Jahres hat die Feuerwehr daher beschlossen, sich ein eigenes Dienstmotorrad zuzulegen", erläutert Schlederer.
Mit Unterstützung einiger Feuerwehrkameraden hat er sich in Online-Börsen, Zoll-Auktionen und anderen Kanälen auf die Suche nach einem gebrauchten Motorrad begeben, das aufgabentauglich und erschwinglich ist. Im Meer der Angebote poppte eine Offerte in der Nähe auf, die sich als Glückstreffer erweisen sollte: eine leuchtend rote BMW GS 650, Baujahr 2000, die nur rund 2.000 Kilometer auf dem Tacho hatte und für die der passionierte Fahrzeugsammler nur 4.000 Euro aufrief. Die Feuerwehr hat die Gelegenheit direkt beim Schopfe gepackt und zugegriffen.
Eine Kfz-Fachkraft aus der Truppe hat es dann für den Bedarf der Brandbekämpfer umgebaut. "Inklusive Fahrzeugausstattung, Signalanlage, Bekleidung, zwei Helmen, der neuen Bereifung und einem stabilen Seitenkoffer, in dem unter anderem ein Feuerlöscher sowie diverses Einsatz- und Rettungsmaterial untergebracht sind, mussten 7.700 Euro aus Eigenmitteln aufgewendet werden", berichtet Schlederer, der bei Einsätzen als Zugführer und Maschinist fungiert. Davon übernahm der Markt Hengersberg 2.000 Euro sowie die Kosten für das Einsatzfunkgerät. Der Landkreis Deggendorf und der Förderverein Deggendorf steuerten hierfür jeweils 500 Euro bei.
Die Aufgaben: erkunden, koordinieren und sichern
Seither gehört das Zweirad zum Fuhrpark, der daneben aus vier Lkw, zwei Kleinbussen, einem Teleskoplader und drei Anhängern besteht. Unter dem Funkrufnamen "Florian Hengersberg 17/1" leistet es nun seine Dienste. Auf ihm eilen Rettungskräfte etwa als Speerspitze bei Autobahneinsätzen zur Hilfe. Zehn der ungefähr 70 ehrenamtlich Engagierten haben hierfür die Fahrberechtigung, unter anderem der seit 40 Jahren in der Feuerwehr tätige Vorsitzende.
Darüber hinaus wird das Motorrad bei Erkundungs-, Versorgungs- und Kurierfahrten, dem Abfahren von Deichhinterwegen, bei der Vermisstensuche und der Absicherung von Festumzügen eingesetzt. "Wir fahren auch bei Motorrad-Korsos mit und sichern ab, beispielsweise bei Wohltätigkeitsveranstaltungen", so Schlederer. Aufgrund der verschiedenen Anlässe absolvieren die Rettungskräfte zwischen 700 und 1.000 Kilometer pro Jahr mit dem Dienstmotorrad in einem Umkreis von rund 20 Kilometern vom Feuerwehrstandort.
Steigende Einsatzrufe
Die Frequenz wird in den kommenden Jahren vermutlich steigen. Denn Anfang dieses Jahres startet der Ausbau des Autobahn-Teilstückes der viel befahrenen A3 zwischen Deggendorf und Hengersberg von vier auf insgesamt sechs Spuren. Daher rechnet der Feuerwehr-Vorsitzende damit, dass die feuerrote BMW F650 GS "Florian Hengersberg 17/1" wieder öfter zum Einsatz gerufen wird. "In Hengersberg wird das Motorrad wohl künftig noch öfter zu sehen sein und während der voraussichtlich zehnjährigen Bauzeit Wege ebnen." So ist das Zweirad im Fuhrpark inzwischen zu einem Werkzeug geworden, auf das man nicht mehr verzichten kann und möchte.