Verspäteter Start zum Kundentermin, anstrengende Telefonate, private Sorgen: Solche Anlässe und Routinen lenken bei Fahrten mit dem Firmenwagen ab oder erhöhen die Gefahr, am Steuer in heikle Situationen zu kommen oder diese nicht rechtzeitig zu erkennen. Das Risiko für Schäden und Unfälle steigt. Dies ins Bewusstsein der Fahrer zu rufen, hat sich Dennis Schaale als Geschäftsführer von Elektro Opitz in Hannover in seinem insgesamt fünfköpfigen Team zu einer Aufgabe gemacht.
Und das bedarf zielgerichteter Maßnahmen. "Dazu gehört nicht nur die optimale technische Ausstattung der Fahrzeuge, sondern auch die Vermittlung von Wissen um die Umstände und das eigene Verhalten. Denn was ich nicht kenne, kann ich nicht ändern", sagt der Elektrotechnikermeister. Ein elementares Instrument hierfür ist nach seiner Ansicht das Fahrsicherheitstraining (FST), das Prävention und vorausschauendes Handeln in den Mittelpunkt stellt. Er ergänzt: "Gleichzeitig sind diese Schulungen gute Teambuilding-Aktionen." Das hat er selbst als Angestellter Anfang der 2000er Jahre bei seinem ersten Fahrsicherheitstraining erlebt. Diese Erfahrung wollte er auch mit seinen Mitarbeitern teilen.
Elektro Opitz: Gemeinsames Trainingsziel
Im Mai 2023 hat Schaale daher die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und das von der zuständigen Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) beworbene ganztägige Training auf dem ADAC-Gelände bei Lüneburg kostenfrei für seine Mannschaft gebucht. Sein Aufwand: ein Arbeitstag und Kraftstoff für die Autos.
Zum Event kam jeder mit dem Fahrzeug, das ihm zugeordnet war oder von demjenigen am häufigsten gefahren wurde. Während drei Fachkräfte mit Transportern wie dem Mercedes-Benz Vito und einem MAN TGE anrückten, kam Schaale mit seinem privaten Mercedes-Benz CLA 45 AMG und sein Geschäftspartner mit dem Dienstwagen, einem Audi Q4 E-Tron.
So sehr sich die Kfz-Typen unterscheiden, so verschieden waren auch die mit dem Training verbundenen Wünsche - vom Austesten der physikalischen Grenzen bis hin zu Check und Optimierung der Ladungssicherung. Einigkeit bestand von Anfang an aber in einem Punkt: den jeweiligen Pkw respektive Transporter so gut kennenzulernen, dass man Gefahrenlagen meiden oder damit besser umgehen kann.
Mit diesem Ziel starteten die fünf von Elektro Opitz das Training in der Früh mit weiteren 35 Teilnehmern, die für den Kurs in vier 10er-Gruppen eingeteilt wurden. Die Ausrichtung dabei: defensives Fahren. Wie wichtig das ist, lernten die Fahrer, indem sie unter Anleitung von Trainern des Automobilclubs etwa Bremsungen auf unterschiedlichen Belägen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten als auch Ausweichmanöver, Slalom-, Kurvenfahrten und andere Übungen absolvierten. "Die praktischen Lektionen haben den Kollegen schnell die Bedeutung von vorausschauendem und gelassenem Fahren im Alltag vermittelt", erzählt Schaale. "Entsprechend lebhaft und lang war im theoretischen Teil die Diskussion rund um dieses Thema."
Ladungssicherung wichtiges Thema
Aha-Erlebnisse verschaffte das Training zusätzlich rund um die Ladungssicherung, insbesondere bei den Transportern. Die Mitarbeiter kamen mit den Kastenwagen, wie sie sonst samt Werkzeug und Material zum Einsatzort unterwegs sind. "Unsere Schutzmaßnahmen mit Regalsystemen und Zurrgurten wurden lobend zur Kenntnis genommen. Empfohlen wurde uns, darüber noch ein Netz zu ziehen", erläutert Schaale. Diese hat er anschließend beschafft.
Generell setzt er auf einen hohen Ausstattungsstandard der Fahrzeuge, bei dem stets das komplette Sicherheitspaket mitbestellt wird. "Zudem hat die Belegschaft ein Mitspracherecht bei der Wahl von Komponenten. Da die Transporter finanziert werden, schlägt das auch beim Wiederverkauf positiv zu Buche." Das ist für ihn aber ein Nebeneffekt. "Die Nutzer sollen sich wohl und geschützt fühlen. Die richtige Ladungssicherung ist dazu ein wichtiger Baustein."
Einfluss auf Schäden
Obwohl die Mitarbeiter mit individuellen Vorstellungen in das Fahrtraining sind, blickt Schaale zum Ende der Veranstaltung am späten Nachmittag in zufriedene Gesichter. Gerade diejenigen, die anfänglich auf Drift- oder Voll Speed-Fahrten hofften, hätten das Gelernte spannend und aufschlussreich gefunden. Schaale begründet: "Es wurden viele Extrem-Situationen simuliert, die im Alltag vorkommen können, beispielsweise Kurvenfahrten mit zu hoher Geschwindigkeit bei nasser Straße. Jeder hat dadurch seine eigene steile Lernkurve durchlaufen." Alle seien dadurch im Straßenverkehr vorsichtiger geworden.
Welchen Einfluss das wiederum auf die Schadenentwicklung hat, kann er nicht beziffern: "Wir hatten schon vor dem Training meist nur Parkrempler zu verzeichnen. Diese haben sich, meinen Beobachtungen nach, reduziert."
Immer neue Trainings bei Elektro Opitz
Dass die Schulung direkt seine Wirkung entfaltet hat, lässt Dennis Schaale nicht ruhen. Für ihn heißt es: Vor dem Fahrsicherheitstraining ist nach dem Fahrsicherheitstraining, zumal zwei Beschäftigte inzwischen das Unternehmen verlassen haben und zwei neue gekommen sind. Die Flotte verstärkt zudem ein neuer Mercedes Citan. Auch der Geschäftsführer hat nun einen Dienstwagen, einen BMW i4. Der Unternehmer will daher ein weiteres FST mit BG-Unterstützung in Angriff nehmen, sobald der derzeit 17-jährige Auszubildende seinen Führerschein besitzt. Das wird spätestens im kommenden Jahr sein.