Diakoniestation Baiersbronn: Vor Schaden bewahren

06.07.2026 10:40 Uhr | Lesezeit: 3 min
Diakoniestation Baiersbronn
Externe Hilfe von Martin Benzing (l.) für Geschäftsführer Wolfgang Pfau.
© Foto: Annemarie Schneider

Die Diakoniestation Baiersbronn senkt mittels Risk- und Schadenmanagement die Kfz-Prämien und senkt die Schadenzahl im Fuhrpark aktuell auf null.

Noch vor Tagesanbruch beginnt in der Diakoniestation Baiersbronn ein emsiges Treiben. Übergaben lesen, das Material für die anstehende Pflegetour richten, Pläne durchgehen: Dann geht es für die Pflegekräfte in der ambulanten Pflege ab in den Außeneinsatz. Derzeit bewerkstelligen sie jeden Werktag sieben Touren am Vormittag und zwei an den Nachmittagen im Umkreis von bis zu 25 Kilometern in der Gesamtgemeinde im Nordschwarzwald.

Am Wochenende sind es immerhin noch sieben Fahrten täglich. Weitere 14 Touren stehen in der Hauswirtschaft über die Woche verteilt an. Dafür greifen die Mitarbeiter auf eine Flotte von 21 Kleinwagen zurück, die vor allem aus VW Up besteht. Aber auch ein Renault Kangoo für den hauseigenen Menüservice und ein Suzuki Swift mit Allradantrieb für Wege durch abgeschiedene und verschneite Täler im Winter leisten ihren Dienst. Kürzlich hat sich ein VW T7 dazugesellt, mit dem der Pflegedienst seine Servicepalette um die Tagespflege am Ort erweitert und in diesem Rahmen den Hol- und Bringdienst für die Gäste anbietet.

Das Leistungsprogramm steht und fällt damit, dass die Mobilität der Fachkräfte in der Betreuung gesichert ist. Wolfgang Pfau, Geschäftsführer der Diakoniestation Baiersbronn, hat daher den Fuhrpark als ein zentrales Arbeitsmittel schon mit Amtsantritt vor 13 Jahren zur Chefsache erklärt. Seither hat er auch Schäden und Unfälle mit den Fahrzeugen auf dem Radar.

Diakoniestation Baiersbronn: Große Wirkung

Vor etwa zwei Jahren ist der Bereich allerdings stärker in den Fokus gerückt. Anstoß waren sowohl die Entwicklung der Schadensituation als auch Gespräche mit Martin Benzing, Inhaber der MFB Consulting Kfz-Risk- und Schadenmanagement im benachbarten Loßburg. Konkret: Zum einen hatte es kurz hintereinander an gleicher Stelle der Hofeinfahrt drei Kaskoschäden in Höhe von 2.500 Euro, 4.800 Euro und 4.300 Euro gegeben. Zum anderen hat ihm der Berater die Möglichkeiten des Risk- und Schadenmanagements erläutert, um Gefahrensituationen zu ermitteln und abzustellen. Das hat Pfau zum Anlass genommen, mit ihm die Ursachen für die Kaskoschäden genauer zu analysieren.

Das Ergebnis der Recherche: Wenn die Fachkräfte den Parkplatz mit dem Auto verlassen haben, war bei der Ausfahrt ein Begrenzungspfosten in einem bestimmten Winkel durch die A-Säule verdeckt. Dadurch kam es in Einzelfällen zu Kollisionen mit dem Pfosten.

Diakoniestation Baiersbronn
Die Flotte blieb 2025 nach ersten Maßnahmen schadenfrei.
© Foto: Annemarie Schneider

Diesen Zustand hat der Geschäftsführer abschaffen lassen. Der Pfosten wurde durch einen weiteren ergänzt und es wurde ein Werbeschild montiert. "Jetzt haben die Mitarbeiter stets volle Einsicht. Zudem nutzen wir das Schild, um offensiv zu Bewerbungen auf offene Stellen aufzurufen - inklusive Nennung des Einstiegsgehalts", so Pfau.

Ist-Analysen

Darüber hinaus hat der Geschäftsführer mit der Sensibilisierung der Mitarbeiter begonnen. Deshalb informiert der Risk-Management(RM)-Berater auf Team-Treffen vor Ort immer wieder über die Entwicklung der Schadensituation und -prävention.

Auch verwandte Themen wie die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) werden behandelt. Darüber hinaus sendet Benzing regelmäßig E-Mails entsprechend den Jahreszeiten zur Sensibilisierung für spezifische Gefahren. "Das hat die Sinne der Mitarbeiter geschärft und ihnen Risiken bewusst gemacht", freut sich Pfau.

Zusätzlich hat der Geschäftsführer eine groß angelegte Schulung rund um die Nutzung der fünf E-Pkw durchführen lassen, um den Umgang mit den Stromern zu schulen und auch Skeptikern den Antrieb näherzubringen, die bisher kein E-Auto fahren wollen. "In der Schulung hat sich gezeigt, dass mit dem Wissen auch die Scheu vor der Nutzung fällt", betont Wolfgang Pfau.

Flotte günstiger eingedeckt

In Verbindung mit dem RM haben Pfau und Benzing auch ein neues Konzept für die Flottenversicherung aufgesetzt. Ein Kern der Änderungen war, dass die Diakoniestation Baiersbronn die Selbstbeteiligung (SB) für die zu Stückprämien versicherten Pkw von 300 Euro in der Voll- und 150 in der Teilkasko auf jeweils 1.000 Euro SB angehoben hat. Damit ist der Berater Ende 2024 in die Verhandlungen des Jahresvertrages für 2025 mit den Flottenversicherern gegangen und hat die Fahrzeuge neu eingedeckt. "Der neue Vertrag hat eine Einsparung von rund zehn Prozent gebracht, wobei sich der Pflegedienst schon vorher auf einem sehr guten Niveau bewegt hat", sagt Benzing.

Er beruft sich dabei auf Vergleichszahlen, die er als ehemaliger Fuhrparkverantwortlicher eines großen Maschinenbauers und aus seinem Netzwerk in der Flottenbranche kennt. Er ergänzt: "Was den Versicherer aber noch viel mehr zu der Prämie veranlasst hat, war das Risk-Management." Und das Kalkül ging auf. 2025 ist die Zahl der Schäden der Diakoniestation Baiersbronn auf null gesunken - auch in Eigentragung unterhalb der Selbstbeteiligung. Das setzt sich in 2026 bisher fort.

Diakoniestation Baiersbronn: Regionale Netzwerke

Für Pfau gilt es nun, diese Werte zu halten. Sollte es doch zu einem Schadenereignis kommen, sind die regionalen Marken-Autohäuser weiterhin erste Ansprechpartner in allen Belangen des Fuhrparks. Gleichwohl will Wolfgang Pfau künftig mit Martin Benzing Rücksprache halten und über das weitere Vorgehen zur Behebung von Schäden beraten. Das gilt auch für defekte Scheiben, die nun durch die höhere SB in die Eigentragung fallen. Solche Schäden sowie Bagatellschäden wie Parkrempler und Dellen sind beim Sozialdienst überschaubar und in der Regel nur bei Rückgabe der Leasingfahrzeuge ein Thema.

Hier schlagen diese laut Pfau im niedrigen dreistelligen Bereich zu Buche. "Das beruht auf der engen Kooperation mit den Autohauspartnern, die nicht nur kulant sind, sondern ihre Kompetenz in der Vermarktung zeigen", betont Pfau. Nichtsdestotrotz erwartet er, dass die Präventionsmaßnahmen auch diese Schadenarten reduzieren. Es würde ihm belegen, dass sich die Achtsamkeit der Mitarbeiter erhöht und das Risk-Management weitere Früchte trägt.


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