Führerscheinkontrolle: So flexibel prüft Azowo Führerscheine

15.01.2026 06:08 Uhr | Lesezeit: 3 min
Patric Schneider, Azowo
Patric Schneider, CEO der Azowo GmbH: "Easycheck bleibt auch weiterhin als eigenständige Lösung bestehen."
© Foto: Azowo

Die Marke Edding war im Flottenkontext zunächst wenig präsent. Durch ihre Führerscheinkontrollen erlangte sie jedoch zunehmend Bekanntheit. Diese Kontrollfunktion hat nun Azowo übernommen.

Im November übernahm der Flottendienstleister Azowo von der Edding Gruppe deren Führerscheinkontrollsystem Easycheck. Die mit Aufwand betriebene clevere Version (ohne App und damit recht datenarm) für das Nachkommen der Halterhaftungspflichten erweitert nun das cloudbasierte Angebot des Flottensoftwareanbieters aus Biberach. "Diese Übernahme ist ein logischer Schritt, da wir eine All-in-One Plattform für Fuhrparkmanagement haben", erklärt Patric Schneider, CEO der Azowo GmbH. Welche weiteren Folgen die Übernahme hat und wie es dazu kam, verrät er uns im Gespräch.

Herr Schneider, wie kam es zum Kontakt mit edding? Die digitale Führerscheinprüfung easycheck war ja erst vor vier Jahren auf den Markt gekommen, nachdem man zwei Jahren daran geforscht hatte.

Patric Schneider: Easycheck war für uns bereits ein Begriff. Wir verfolgten die Entwicklung der Lösung über mehrere Jahre hinweg auf Fachmessen und pflegten einen regelmäßigen Austausch mit den Verantwortlichen. Dabei entstanden bereits frühe Überlegungen zu einer möglichen Integration via Schnittstelle. Die konkreten Gespräche zur Übernahme kamen dann im Mai 2025 über Florian Heinemann von Project A zustande, die uns auf diese strategische Chance aufmerksam machten.

Was unterscheidet easycheck von anderen digitalen Führerscheinprüfmöglichkeiten am Markt?

P. Schneider: Easycheck überzeugt durch drei wesentliche Alleinstellungsmerkmale: Erstens die Einfachheit in der Implementierung. Es ist keine Installation oder App erforderlich, und Kundendaten lassen sich per Massenupload integrieren. Zweitens das Datenschutzkonzept. Das Prüflabel fungiert nicht als Datenspeicher, es werden keine Führerscheindaten ausgelesen, lediglich Name und E-Mail-Adresse sind erforderlich. Drittens die Flexibilität. Die Prüfung kann jederzeit und von jedem Ort mit einem handelsüblichen Smartphone durchgeführt werden.

Azowo bietet kundenspezifisch viele Möglichkeiten der Führerscheinkontrolle an. Welche Art wird von den Azowo-Kunden am meisten verwendet?

P. Schneider: Die Führerscheinkontrolle via App oder Web ist unsere meistgenutzte Kontroll-Lösung: Fahrer fotografieren ihren Führerschein einfach über die Smartphone-App, die Daten werden automatisch erfasst und zur administrativen Prüfung eingereicht. Schnell, unkompliziert und jederzeit verfügbar. Doch was Azowo wirklich auszeichnet, ist unsere Flexibilität durch fünf verschiedene, frei kombinierbare Kontrollmechanismen. Wir wissen, dass jedes Unternehmen unterschiedliche Anforderungen hat: Lagerarbeiter ohne E-Mail-Zugang nutzen unseren Scanner direkt am Standort, während Vertriebsmitarbeiter, die ständig unterwegs sind, mit der App maximale Flexibilität genießen – unabhängig vom Standort.

Ihre Lösung ist dank der Cloudtechnik dahinter standortunabhängig und kann überall eingesetzt werden.

P. Schneider: Genau. Die Azowo Mobility Cloud bildet die Grundlage für diese Flexibilität und ermöglicht es, individuelle Anforderungen präzise abzubilden. Verschiedene Nutzergruppen, Standorte oder Situationen erfordern unterschiedliche Herangehensweisen, weshalb bei uns Scanner, App, RFID oder manuelle Prüfungen durch zuständige Personen flexibel kombiniert werden können. Ob große Firma mit mehreren Standorten, internationale Mitarbeiter im Ausland oder unterschiedliche Prozesse an verschiedenen Orten, jede Firma ist einzigartig, und wir haben die individuelle Lösung für jeden Use Case.

Wie wird easycheck in die bestehende Azowo-Fuhrparksoftware eingebunden?

P. Schneider: Easycheck bleibt auch weiterhin als eigenständige Lösung bestehen und wird kontinuierlich weiterentwickelt – aktuell wird beispielsweise an einer SSO-Entwicklung gearbeitet. Parallel dazu entsteht eine integrierte Variante, die es ermöglicht, easycheck nahtlos innerhalb der Azowo-Software zu nutzen. Die Integration ins Azowo-System und die Ausarbeitung neuer Features werden intensiv vorangetrieben, um sowohl Flexibilität als auch maximale Funktionalität zu bieten.

Hat Azowo damit auch die Patente für das easycheck-Verfahren erworben?

P. Schneider: Ja, die Patentrechte sind Teil der Akquisition. Deutlich wertvoller ist jedoch der Wissenstransfer. Mit der Übernahme von fünf easycheck-Mitarbeitern sichern wir uns das gesamte Know-how und die Expertise hinter dem Produkt. Diese Kollegen bringen ein tiefgreifendes Produktverständnis mit, das sowohl für den Vertrieb als auch für die strategische Weiterentwicklung von entscheidender Bedeutung ist.

Wird es weitere Zusammenarbeit mit Edding geben, da beide Unternehmen eine sehr digitale Marschroute verfolgen?

P. Schneider: Die Geschäftsbeziehung bleibt bestehen, da der Edding-Konzern die Führerscheinkontrolle easycheck aktiv nutzt.

Wie wird easycheck den Azowo-Bestandskunden angeboten, als Add-on? Wie sieht die Preisgestaltung aus?

P. Schneider: Easycheck wird als Add-on-Modul in unseren bestehenden Paketstrukturen verfügbar sein, konkret bei den Flottenmanagement-Paketen Business und Pro sowie bei den All-in-One-Paketen Basic, Corporate und Public. Die Zubuchung erfolgt flexibel entsprechend des gewählten Pakets.

Azowo bietet selbst eine große Bandbreite unterschiedlicher Lösungen für Mobilitätsfragen (Car Sharing, Auto Abo, Fahrer-App etc.). Welche Anwendung wird von den meisten Nutzern verwendet?

P. Schneider: Der Großteil unserer Kunden nutzt die Azowo Mobility Cloud primär für das Flottenmanagement und profitiert dabei von unserem umfassenden Modulportfolio. Die stärkste Nachfrage verzeichnen wir aktuell im Bereich Poolfahrzeuge. Hier beobachten wir einen klaren Trend: Immer mehr Unternehmen suchen neben klassischem Flottenmanagement auch Lösungen für Poolfahrzeuge, getrieben von Themen wie Kostenoptimierung, CO2-Neutralität und Elektromobilität. Parallel dazu wächst die Nachfrage nach unserer Fahrer-App kontinuierlich. Generell sehen wir einen steigenden Bedarf nach Automatisierungslösungen zur Einsparung von Zeit und Kosten sowie nach Systemen, die komplexe Berechtigungs-, Mandanten- und Holdingstrukturen abbilden können.

Welche Ziele gibt es seitens Azowo für das Jahr 2026 mit Blick auf die Fuhrparkkunden?

P. Schneider: Für 2026 haben wir uns ehrgeizige Ziele gesetzt, insbesondere im Bereich der intelligenten Automatisierung. Kernstück ist die Integration eines KI-Assistenten in unsere Plattform. Dieser kombiniert künstliche Intelligenz mit den spezifischen Flottendaten unserer Kunden und unterstützt sie bei komplexen Entscheidungsprozessen.

Der Assistent versteht natürliche Sprache und liefert präzise, datenbasierte Antworten in verschiedenen Formaten. Darüber hinaus erweitern wir die KI-Unterstützung auf Fahrzeuganlage, Verstoßmanagement und automatisieren den Beschaffungsprozess weiter.

Apropos neue Programme, was wird 2026 noch alles neu bei euch?

P. Schneider: Ein weiterer Meilenstein ist die Einführung des automatisierten Heimladens. Die Azowo Mobility Cloud wird Ladedaten künftig direkt über OEM-Schnittstellen vom Fahrzeug empfangen und automatisch abrechnen. Gemeinsam mit unserem Partner ryd lancieren wir zudem eine vollständig digitale Lösung für Tanken, Laden und Waschen. Nutzer können passende Stationen direkt in der App finden, Vorgänge starten und automatisch bezahlen, vollständig kassenlos.

Als weitere Innovation führen wir 2026 unsere Admin-App ein. Sie fungiert als mobiler Arbeitsplatz für Fuhrparkverantwortliche und ermöglicht die Durchführung wichtiger Tätigkeiten wie Schadensaufnahme oder Schlüsselschrankverwaltung direkt vor Ort, ohne Laptop oder Rückkehr zum Büroarbeitsplatz.

Herzlichen Dank, Herr Schneider, für das Gespräch.


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