Omoda 9 im Test: Der Nächste

07.05.2026 09:10 Uhr | Lesezeit: 3 min
Omoda 9 
© Foto: Omoda

Die Chinesen kommen. So viel steht fest. Wie viele bleiben, nicht. Mit dem Omoda 9 kommt noch ein Plug-in-SUV mit viel Platz, viel Leistung und (noch) ein paar Macken.

Die Autos der chinesischen Hersteller sind noch nicht perfekt – aus europäischer Sicht. Die europäischen Autos sind noch nicht perfekt – aus chinesischer Sicht. Einige Kunden stören die Eigenheiten der jeweiligen Anbieter wenig und sie greifen hüben wie drüben zu. In China ist der Markt an ausländischen Herstellern gesättigt. Und der aus dem eigenen Land allemal. Rund 100 chinesische Marken gibt es derzeit, und einige schon nicht mehr. Der chinesische Markt platzt aus allen Nähten und die in den letzten Jahren stets steil ansteigende Nachfrage stagniert.



Omoda sucht sein Glück (jetzt auch) in Europa

Expansionen gibt es bereits, nach Lateinamerika, Afrika und Asien – in den meisten Fällen Verbrenner. Zu vergleichsweise günstigen Preisen werden dort die China-Autos angeboten. Mal mehr und mal weniger rentabel. Europa erscheint für viele lukrativ. Die Preise der Fahrzeuge liegen hier meist beim Doppelten des Chinapreises. Wohl auch deswegen versucht gefühlt monatlich ein neuer Anbieter sein Glück in der EU.

Omoda zum Beispiel. Bei uns noch völlig unbekannt, gehört die Marke zum Chery-Konzern mit rund 80.000 Mitarbeitern, die in 2025 etwa 2,8 Millionen Fahrzeuge weltweit verkauften. Nun meint Chery, auch in Deutschland Fuß fassen zu können, nachdem beispielsweise Großbritannien mit den Chery-Marken Jaecoo und Omoda erfolgreich funktioniert. Hier war der Jaecoo 7 (wir hatten ihn bereits als Testwagen) das meistverkaufte Auto im Januar und im März 2026. Und das, obwohl Jaecoo (und Omoda) dort erst seit gut einem Jahr am Markt teilnehmen.

Um Vertrauen auch in Deutschland aufzubauen, kümmern sich die in Raunheim (neben dem Flughafen Frankfurt) ansässigen Chinesen um Marktpräsenz in Form von stationären Händlern. Bis Ende Mai 2026 sollten es 40 sein, bis Ende 2026 sollen es 100 werden und der Plan für Deutschland liegt bei ambitionierten 240 Standorten. 2026 sollen aber bereits 8.000 Jaecoo 7 und Omoda 9 an Kunden gehen – private wie gewerbliche.

Omoda 9: Mittelklasse (SUV)

Ob das Chancen auf Erfolg hat, haben wir uns bei einer ersten Probefahrt im Omoda 9 angeschaut. Der Omoda 9 ist ein SUV im Mittelklasse-Format. Knapp 4,80 Meter rangieren dabei am unteren Ende der Skala und stellen eine nach wie vor gefragte Größe dar. Das Platzangebot fällt erwartungsgemäß groß aus. Vorn wie hinten. Die Mittelkonsole ist breit und hoch und kann – je nach Sitzposition – beim Steuern stören. Hinten sitzen zwei Personen perfekt und können sich durch das Schiebedach den Wind um die Nase wehen lassen. So ergibt ein Glasdach Sinn.


Jaecoo 7 Test (2026)

Jaecoo 7 Test (2026) Bildergalerie

In den Kofferraum passen „okaye“ 470 Liter. Wer umklappt, erweitert auf fast 1.800 Liter. Vier Ösen im Kofferraum lassen schwere Gegenstände vernünftig sichern. Generell macht die Verarbeitung und Materialauswahl im Omoda 9 einen gediegenen Eindruck. Umso störender sind die Reflexe der Heizdrähte in der Windschutzscheibe. Das war es aber eigentlich.

Die Sitzposition des Fahrers ist für langbeinige Europäer hingegen nicht ideal. Das Lenkrad lässt sich zwar elektrisch verstellen, jedoch nicht weit genug. Die Sitze sind beim Testwagen mit Kunstleder bezogen und lassen den Rücken schonmal ins Schwitzen geraten. Gut, dass eine Kühlung an Bord ist. Besser wären vernünftige Stoff- oder Wollbezüge. Der Fahrersitz ist zudem recht eng geraten – ausprobieren lautet unsere Empfehlung.

Omoda 9 mit Mercedes-Allüren

Bei dem Thema Handhabung erfreulich, dass Omoda die elektrische Sitzjustage von Mercedes geklaut hat. Von den Besten gelernt, könnte man da sagen. Ein paar weitere physische Bedienelemente helfen ebenfalls. An anderen Stellen gibt es wieder die gelernten Unterschiede. Im Omoda 9 sind die Kacheln zum Drücken zwar meist groß genug und während der Fahrt treffsicher zu tippen. Allerdings ergeben die Abkürzungen der Funktionen dahinter nicht immer Sinn, wie „Einstellungen der …“ oder „Lenkkraft gek…“, was auch immer „…“ bedeuten mag. Das ist jedoch eine Frage der Zeit und man weiß irgendwann, was nach dem Fingerdruck passiert, oder aber hat es einmal eingestellt und es passt für immer. Klein und wie die Tempoanzeige deplatziert sind einige Angaben im Kombiinstrument. Dafür fährt mittig massiv ständig ein virtueller Omoda 9 mit – und nimmt dem Wagen etwas von seiner Gelassenheit.

Diese vermittelt nämlich vor allem beim Langsamfahren das Fahrwerk. Ausgewogen lautet hier das Urteil. Geht es auf die Autobahn, verändert sich der Eindruck eher in Richtung straff, vielleicht etwas zu straff. Die Lenkung lenkt, begeistert aber keineswegs, was in der Fahrzeugklasse auch in Ordnung ist.


Omoda 9 Preis und technische Daten

  • Testwagenpreis: 52.990 € (brutto)
  • R4/1.499 ccm Systemleistung | 395 kW/537 PS  | 650 Nm
  • 4,9 s | 180 km/h
  • Akkukapazität: 34,5 kWh (brutto) AC 6,6 kW | DC 65 kW
  • WLTP: 1,6 Liter + 19,5 kWh  WLTP-Akku leer: 7l/100 km elektrische Reichweite: 145 km
  • Maße: 4.775 x 1.920 x 1.671 mm Kofferabteil: 471–1.783 Liter
  • Versicherung: HK 22|TK 26|VK 31
  • Wartung: 1 Jahre/15.000 km
  • Garantie: 7 Jahr/150.000 km Akku: 8 Jahre/160.000 km


Freude kommt beim Plug-in-Hybrid als Antrieb auf. Die technischen Daten versprechen 145 Kilometer elektrische Fahrt. Erst dann muss nachgeladen werden. Das jedoch klappt im Bestfall mit 6,6 kW. Wer es eilig hat, könnte an den DC-Lader. Wäre der nicht so absurd teuer … da sind bis zu 65 kW möglich. So sollten die allermeisten Fahrten rein elektrisch gelingen. Falls die Reichweite mal nicht ausreicht, springt der Verbrenner an – unterschwellig, eigentlich nicht wahrnehmbar. Manchmal als Direktantrieb, ab und an als Generator für die E-Motoren. Bedarfsgerecht laut Aussage von Chery, mag man glauben. Als Getriebe fungiert eine eigenwillige 3-Gang-Automatik deren Arbeit nicht erahnbar ist. Das hat Chery im Omoda 9 wirklich gut gemacht.

Die Kombination aus einem 1,5-Liter-Turbovierzylinder und zwei Elektromotoren (Allradantrieb) ergibt laut Datenblatt eine Systemleistung von unglaublichen 537 PS. In unter fünf Sekunden soll der Standardsprint erledigt sein. Gefühlt meint man eher in der 400-PS-Klasse unterwegs zu sein, 2,3 Tonnen lassen sich halt nicht leugnen. Bei 180 km/h wird abgeregelt, auch mittlerweile Usus – leider.

Wie immer in die Vollen, auch beim Omoda 9

Bei der Ausstattung geht China meist in die Vollen, zu einem dann attraktiven Preis, verglichen mit der Euro-Konkurrenz. Ob man jedoch all die Dinge wirklich benötigt, geschweige denn, haben möchte, steht auf einem anderen Blatt. 53.000 Euro brutto kostet das Gesamtpaket, an dem nichts zu rütteln ist. Was fehlt? Der 11-kW-Anschluss und Matrixlicht, nur zwei Beispiele, die eben gar nicht erhältlich sind und in der Klasse in Europa zum (Serien-)Standard gehören.

Wer ohne das auskommt, und ein paar Kleinigkeiten verschmerzen kann, erhält mit dem Omoda 9 ein großes SUV mit eigenwilligem Design, ohne Reputation und mit hoffentlich bald 100 Händlern in Deutschland. Dass es mal zum meistverkauften Auto in einem Monat in Deutschland werden wird, glauben wir nicht. Obwohl: dass der Tesla Model Y im März 2026 auf Platz 2 hinter dem Golf landete, dachte wohl auch kaum jemand.

 


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