Opel Mokka GSE (Test): Zusatzmodul

09.05.2026 06:07 Uhr | Lesezeit: 3 min
Der Mokka GSE ist unauffällig. Kaum jemand erwartet von ihm solch imposante Fahrleistungen.
© Foto: Michael Blumenstein

Opels Sportmodelle sind legendär, und ihre Liste ist lang. Zuletzt sorgte das Kürzel OPC für Furore, doch das ist passé. Jetzt ballert GSE im Mokka GSE – und zwar elektrisch.

Ja, bezahlbare (Elektro-)Sportler sind rar. Bei einigen steht Sport drauf und steckt Lethargie drin. Bestes Beispiel: Brabus Smart. War Brabus einst eine Manufaktur zum sportlichen Veredeln von Mercedes-Modellen, ist das Signet auf Smart #1, #3 und #5 nur noch Show, so wie die aberwitzige Leistung: (bis zu) 646 PS. Weder Fahrwerk noch Lenkung noch Details verströmen ansatzweise das, was ein Sportmodell verspricht, geschweige denn, hält. Denn merke: Leistung ist nicht alles.


Opel Mokka GSE (54 kWh)

Opel Mokka GSE steht auf einem einsamen Teerstreifen und wurde von vorn fotografiert. Bildergalerie

Opel kann’s noch

Opel-Veredler gab es viele. Irmscher (macht heute belanglose Optik-Modifikationen für Leapmotor), Bitter (pappt alberne Details an und in den Corsa), Rieger (übertreibt optisch nach wie vor) und Lexmaul sowie Mantzel (die beiden kümmern sich zu Recht eher um die alten Opel-Modelle). So nimmt Opel das Thema Performance seit Jahren selbst in die Hand. Legendär waren Opel Corsa OPC Nürburgring Edition und Opel GTC OPC. Aber auch ein Schwergewicht wie der Insignia OPC hat seine Freunde gefunden. Mit dem Beginn der PSA-/Stellantis-Ära (2017) waren diese Sperenzchen vorbei. GSE lautet seit 2020 das Label für dezente Sportlichkeit direkt von Opel, wenngleich alles bislang Erschienene eher einer Ausstattungslinie glich. Das ändert sich fortan. Mit dem Mokka GSE zeigen die Rüsselsheimer, dass sie es noch immer können – jetzt halt elektrisch.

Das Ausgangsprodukt, der Opel Mokka, hat für eine Sportversion per se nicht die schlechtesten Gene. Kompakt (4,15 Meter), nicht zu hoch und innen eher Sportdress als Schlabber-Joggo. Gute Anlagen also, um nachzuschärfen. Das haben die Rüsselsheimer getan. Ultrasportliche Schalensitze, die vermutlich bei vielen Menschen eine Spur zu eng sind, klammern einen fest. Ein unten abgeflachtes Lenkrad soll den Sportgeist im Fahrer wecken. Viel mehr gibt es auf den ersten Blick nicht zu entdecken. An die "alten" OPC-Sitze, die teils von Opel entwickelt wurden und ab und an den Recaro-Schriftzug tragen durften und nach Vorgabe produziert wurden, kommt das Mokka GSE-Gestühl nicht ran. Das GSE-Mobiliar besitzt kaum Langstreckentauglichkeit. Das jedoch ist nur konsequent. Denn der Mokka GSE ist auf der Langstrecke in etwa so sinnvoll wie ein Mercedes-Maybach auf Santorini.

Mokka GSE: 5,6 Sekunden bis Tempo 100

Zurück in den Mokka. Hinten sitzen noch weniger Leute als im normalen Mokka, der massiven Vordersitze wegen. Der Mokka ist ein 2+2-Sitzer, und das ist gut so, denn er hat damit eine Nische besetzt. Die Materialien sind okay, die Bedienung ebenso. Einige GSE-Features in der Darstellung informieren über Batterietemperatur und Leistungsabgabe in Prozent. Querbeschleunigungssensoren und eine 0–100-km/h-Messung wecken den Spieltrieb. Die Übung ließ sich in 5,6 Sekunden abhandeln, die Werksangabe von 5,9 Sekunden ist somit untertrieben. Aber so ist Opel ab und an: nicht zu dick auftragen und dann doch souverän liefern, gerade mit Nischenprodukten gelang das oft.

Das genau merken all jene, die auf der Landstraße an einem Mokka GSE dranbleiben wollen. Im Verbrenner-Sprech braucht es dabei deutlich potentere Fahrzeuge. Denn die 281 PS des Mokka GSE stehen immer an. Zumindest dann, wenn man von Eco über Normal in den Sportmodus per Wippe in der Mittelkonsole geswitched hat. Der kleine Opel geht brutal vorwärts. Insbesondere Serpentinen und das Herausbeschleunigen aus Kurven sind die Spezialitäten des Mokka GSE. Das Zauberwort lautet: Mechanisches Torsen-Lamellen-Sperrdifferenzial. Was andere mittels Elektronik versuchen zu imitieren, ist lächerlich, wenn man mal in einem Elektroauto eine mechanische Differenzialsperre erlebt hat. Ähnlich wie beim Corsa OPC Nürburgring Edition giert der Mokka GSE nach der kommenden Kurve und zieht einen (trotz Vorderradantrieb) beim Vollgasgeben in die Kurve hinein. Am Anfang ungewohnt, schneidet einem dieses Fahrverhalten bei jeder Engkurve ein Grinsen ins Gesicht und lässt das Gewicht von knapp 1,7 Tonnen vergessen – ehrlich.

Detailfoto des Infoscreens des Opel Mokka GSE
"Unser" Opel Mokka GSE war laut internem "Messgerät" sogar etwas schneller als die Werksangabe.
© Foto: Michael Blumenstein

Erstklassiges Fahrwerk im Mokka GSE

Kombiniert wird das Ganze mit einer akkurat agierenden Lenkung, die alle anderen in der Klasse einfach nur mitteilungsmüde wirken lässt. So wünscht man sich ein sportliches Setup. Hinzu kommt ein Fahrwerk mit Selektivdämpfern, das innerstädtisch zwar nervt, ab Landstraßentempo jedoch sein Potenzial mit bedingungsloser Bodenhaftung unter Beweis stellt. Es ist schön zu sehen, dass Opel es noch kann, wenn man sie einfach mal lässt.

Dass das Tempobolzen auch negative Auswirkungen hat, ist klar. Schnell an Geschwindigkeit zulegen sollte stets mit noch schneller an Geschwindigkeit dezimieren geknüpft sein. Dazu hat Opel wahnsinnig große Bremsen an der Vorderachse montiert. 380 Millimeter messen die Alcon-Scheiben, die von einer Vierkolbenanlage in die Zange genommen werden und brachiale und dauerhaft kurze Bremswege ermöglichen. Bei sportlicher Gangart geben diese ein fantastisches Gefühl an den Fahrer wieder, beim Langsamfahren fühlt es sich eher unwirsch an. Ab Werk rollt der Mokka GSE auf haftfreudigen Michelin Pilot Sport EV in der Dimension 225/40 R20. Angeblich soll trotz der Riesenräder ein Wendekreis von rund 10,5 Metern realisierbar sein.


Preis Opel Mokka GSE (54 kWh)

  • Testwagenpreis: 48.350 € (brutto)
  • PSM-E-Motor | Vorderradantrieb
  • 207 kW/281 PS | 345 Nm | 5,9 s | 200 km/h
  • WLTP: 18,5 kWh | Reichweite: 336 km
  • Akku: 54 kWh (brutto) | 51 kWh (netto)
  • Laden: AC 11 kW | DC 100 kW
  • Maße: 4.150 x 1.787 x 1.515 mm
  • Kofferraum: 310–1.060 Liter
  • Versicherung: HK 16 | TK 21 | VK 21
  • Wartung: 2 Jahre/25.000 km
  • Garantie: 2 Jahre
  • Akku: 8 Jahre/160.000 km


Hoher Verbrauch beim Mokka GSE

Kommen wir abschließend noch zu einem Punkt, der den Mokka-GSE-Piloten komplett nicht interessieren sollte. Der Verbrauch. 51 kWh des Mokka-Lithium-Ionen-Akkus sind nutzbar. Diese sollen für 335 Kilometer reichen. Wer jedoch den Mokka in etwa so bewegt, wofür er erdacht wurde, dezimiert die Reichweite auf rund 150. Verbrauchswerte jenseits der 30 kWh sind nicht nur auf der Autobahn bei Tacho 207 Tatsache. Auf der Rennstrecke, die der Mokka GSE ein paar Runden gehen kann, wird es noch enger. Auf der anderen Seite ist man nach 150-Mokka-GSE-Kilometern eh fertig wie ein Schnitzel – sofern das Potenzial des Fahrzeugs genutzt wurde. Dann sollte man sich innerhalb von gut 30 Minuten einen Kaffee gönnen, um den Akku von zehn auf 80 Prozent zu hieven. Ein Schnelllader ist auch der Mokka GSE mit seinen gemessenen 108 kW nicht. Dafür hält er den versprochenen 100er-Wert lang und bei 55 Prozent Akkustand kommen noch immer 80 kW an. Aber, wie geschrieben, für die lange Fahrt ist der Mokka GSE definitiv nicht gemacht.

Somit muss man 48.000 Euro übrighaben, um sich den Mokka GSE als "Zusatzmodul" in die Garage stellen zu können. Viel Geld für ein kleines Auto. Und da kommen dann als echte Spaßalternativen noch der Toyota Yaris GR (identischer Preis), der Audi SQ2 (wird gerade "ausverkauft") und eben der Alfa-Romeo Junior Veloce (teurer Technik-Zwilling des Mokka GSE) infrage. Der nagelneue Cupra Raval VZ Extreme ist zwar preislich beim Mokka GSE, fahrtechnisch jedoch in einer niedrigeren Liga. Und wer genau schaut, könnte auch mit Cupra Leon VZ und VW Golf GTI liebäugeln – beide voll alltagstauglich. Um Elektromobilität als solche geht es beim Mokka GSE nicht. Es geht um wahren Fahrspaß, und der funktioniert auch elektrisch und das ist gut so.

5-Minuten-Check: Opel Mokka GSE


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