Toyota bZ4X Touring: Der neue Platzhalter

21.05.2026 05:29 Uhr | Lesezeit: 2 min
Toyota bietet den bZ4X nun auch als Kombi an.
© Foto: Toyota

Mit dem bZ4X Touring erweitert Toyota seinen ersten Elektro-Crossover um eine hochgelegte Kombi-Variante, die weniger Kompromiss und mehr Versprechen ist. Mehr Platz, mehr Leistung, mehr Nutzwert. Ein Karosseriekonzept, das den Stromer dorthin bringt, wo viele Kunden ihn von Anfang an gerne gehabt hätten: als echten Allrounder.

Wenn ein Auto wächst, ist es oft mehr als nur eine Frage von Zentimetern. So auch beim neuen Toyota bZ4X Touring. Der setzt genau dort an, wo es dem bisherigen Crossover gefehlt hat: an Allroundtalent. Rund 14 Zentimeter mehr Länge, etwas mehr Höhe, dazu eine deutlich gestrecktere Dachlinie. Damit verschiebt sich der Charakter des kompletten Autos. Aus dem eher konventionellen Stromerkonzept wird ein Fahrzeug, das sich neu positioniert. Während Toyota von einem „Familien-SUV“ spricht, erinnert das Modell eher an die kreative Interpretation eines höher gelegten Lifestyle-Kombis in der 50.000 Euro-Plus Preisklasse.

Nachdem der bZ4X mit seinem Facelift im Frühjahr technisch deutlich gereift ist, folgt nun also die Karosserie, die sich viele von Anfang an gewünscht hätten. Der Touring ist ein technischer und weitgehend auch optischer Doppelgänger des Subaru E-Outback, gebaut in der Subaru-Fabrik im japanischen Yajima. Der Unterschied zum Erstgeborenen bz4X beginnt dort, wo es im Alltag zählt: beim Platz und Nutzwert. Während der bZ4X mit seinen 452 Litern Kofferraumvolumen eher Durchschnitt bietet, legt der Touring deutlich nach. 669 Liter bei aufrechter Rückbank, bis zu 1718 Liter bei umgelegten Sitzen – das entspricht einem Plus von fast 50 Prozent. Damit rückt Toyotas erster Serienstromer in eine Liga, in der Kinderwagen, Mountainbike oder Campingausrüstung nicht mehr zur logistischen Herausforderung werden sollten.

Toyota bZ4X Touring: Eigenständiges Karosseriekonzept

Möglich wird das durch ein eigenständiges Karosseriekonzept, das optisch durchaus einen eigenen Weg einschlägt. Ab der C-Säule wächst der Touring um 14 Zentimeter in die Länge, dazu kommen Zugewinne bei Breite und Höhe des Laderaums. Das Dach fällt nicht mehr coupéhaft ab, sondern verläuft gleichmäßig nach hinten – so vergrößert sich der Stauraum, die hinteren Passagiere haben mehr Kopffreiheit. Damit wird der Touring zum Nutzfahrzeug im besten Sinne. Und genau darin liegt seine größte Stärke. Dachreling, Anhängelast von bis zu 1.500 Kilogramm und die Möglichkeit, Dachboxen oder sogar ein Dachzelt zu montieren, erweitern den Einsatzradius des bZ4x erheblich.

Auch optisch trägt der Touring diesen Anspruch nach außen. Robustere Stoßfänger, ein eher optischer Unterfahrschutz und die bekannten stilprägenden Radlaufverkleidungen – beim Touring weiterhin unlackiert und damit bereit sich mit Ästen und Sträuchern anzulegen - verleihen dem neuen Modell eine derbere Präsenz. Das bekannte "Hammerhead"-Gesicht bleibt, am Heck zieht sich eine LED-Leuchtenleiste über die gesamte Breite. Insgesamt wirkt der Touring weniger aufgestylt als vielmehr allzeit bereit für die Drecksarbeit abseits des schillernden Boulevards.

Kritik am Innenraum

Häufig kritisiert wurde der Innenraum für seine Mischung aus Praktikabilität, Nüchternheit und einer nicht immer intuitiven Bedienlogik. Hier setzte Toyota bereits beim Facelift an, wovon jetzt auch der Touring profitiert, denn die guten Stuben beider Modelle sind identisch.  Materialien, Haptik und Bedienung wurden deutlich aufgewertet, wobei sich er Innenraum weiterhin modischen Strömungen entzieht. Solide und aufgeräumt trifft es wohl am besten. Im positiven Sinne.

Der zentrale Touchscreen-Bildschirm wuchs auf 14 Zoll, wurde von der Mittelkonsole getrennt und ragt weniger dominant hervor. Das Infotainment startet jetzt schneller, reagiert flüssiger und versteht komplexere Sprachbefehle, wobei die Graphik, zum Beispiel vom Navi-System, doch nach wie vor altbackend wirkt. Auf der neu gestalteten, schlankeren Mittelkonsole sind immer zwei induktive Ladeflächen für Handys an Bord, Toyota hat außerdem die Assistenzsysteme harmonisiert, etwa die adaptive Geschwindigkeitsregelung und die Spurführung. Beide Systeme agieren nun weniger abrupt und lassen dem Fahrer mehr Kontrolle. Vertrauen weckt die neue State-of-Health-Anzeige (SoH), die den aktuellen Gesundheitszustand der Batterie anzeigt und ab 2027 für alle E-Autos vorgeschrieben wird. Er gibt in Prozent an, wie viel Kapazität der Akku im Vergleich zum Neuzustand noch besitzt.


Toyota bZ4X Touring

Toyota bZ4X Touring Bildergalerie

Unter dem Blech übernimmt der Touring das meiste vom überarbeiteten bZ4X, gönnt sich aber auch Privilegien. Während das bisherige Modell mit zwei Batteriegrößen von 57,7 und 73,1 kWh antritt, setzt der Touring auf einen etwas größeren 74,7-kWh-Akku. Das bringt ein paar Vorteile bei Reichweite und Alltagstauglichkeit. Bis zu 591 Kilometer sind im Frontantrieb möglich, womit der Touring den aktuellen Bestwert des bZ4X – zumindest auf dem Papier – um 22 Kilometer übertreffen soll.

Auch bei der Leistung geht der Touring in die Poolposition. Während der bZ4X bislang maximal 343 PS in der Allradversion bot, stemmt der Touring Allradler (ab 55.000 Euro) bis zu 380 PS – kein Toyota-Elektromodell ist stärker. Wer es drauf ankommen lässt, dem gelingt der Sprint auf Tempo 100 in nur 4,5 Sekunden, ein mächtiger Schub, den man diesem Familientransporter nun wirklich nicht zutraut. Der Allradantrieb mit zusätzlicher E-Achse hinten verteilt das Drehmoment intelligent und sorgt gerade abseits befestigter Straßen für eine überraschend souveräne Traktion. Systeme wie X-Mode und Grip Control unterstützen dabei, selbst auf Schnee, Matsch oder losem Untergrund mobil zu bleiben, Flussdurchfahrten bis 50 Zentimeter Wassertiefe sollen der Touring-Technik dank aufwendiger Abdichtung nichts anhaben können.

Beim Laden zeigt sich der Fortschritt ebenfalls. Die bekannte 150-kW-Schnellladeleistung bleibt, doch Batterievorkonditionierung und optimierte Thermosteuerung sorgen für konstantere Ladezeiten – rund 28 Minuten von zehn auf 80 Prozent sind realistisch. Auch bei extremen Temperaturen im Plus- und Minusbereich soll die Ladeperformance konstant bleiben. Die nun vierstufige Rekuperation (fast bis zum Stillstand) an den Fahrstil koppeln und reagiert nun feinfühliger ein.  Das Laden externer Geräte wie E-Fahrräder, die sogenannte Vehicle-to-Load-Funktion, bietet Toyota allerdings noch immer nicht an. Schwer zu verstehen, für ein Auto in dieser Preisregion.

Unterschiede beim Fahren?

Beim Fahren selbst sind Unterschiede kaum auszumachen. Die Abstimmung des Tourings entspricht der des bisherigen bZ4x, lediglich das Power-Setting wurde entsprechend der höheren Leistung angepasst. Schon mit dem Facelift hatte Toyota ja das Fahrwerk grundlegend neu definiert. Hinten sind die Dämpfer seitdem etwas weicher, vorne etwas straffer. Für ein direkteres Einlenkverhalten wurden zudem die Buchsen an der Vorderachse härter ausgelegt. Alles Maßnahmen zusammen bringen eine Qualität ins Auto, die Handling und Komfort spürbar verbessern.

Ein leichtfüßiger Hüpfer ist der Touring deshalb nicht. Auf kurvigen Strecken merkt man dem Elektro-Flaggschiff schon deutlich seine Masse von knapp über zwei Tonnen an. Satt in sich ruhend verfolgt er ungemein souverän und scheinbar unbeirrt seinen Weg. Sportliche Ambitionen bleiben dabei ebenso außen vor wie nervige Abrollgeräusche, die in der aufwendigen Dämmung weitgehend verstummen, oder der Fahrwind, der in extra folierten vorderen Seitenscheiben seinen Sparringspartner findet.

Auch die Qual der Wahl erspart Toyota seien Touring-Interessenten. Es gibt eine Batterie-Größe und zwei Ausstattungslinien. Das Modell Teamplayer ist ab 51.990 Euro mit 165 kW/224 PS und Frontantrieb erhältlich, Allrad kostet hier 4.000 Euro mehr. Für weitere 4.500 Euro kommt der Touring in der üppigen Lounge-Version, hier sind Allrad und 280 kW/380 PS Standard. Nachgerechnet kostet der Kombiaufschlag also 4.000 Euro.

Bleibt die Erkenntnis: Billig war schon bisherige bz4X nicht, der Touring setzt preislich noch eins drauf. Klar, dass Toyotas Neuer damit eher ein seltener Gast auf unseren Straßen sein dürfte. Entsprechend defensiv formulieren die Japaner auch ihre Ziele. Beide bZ4x-Modelle sollen sich brüderlich rund 2000 Einheiten noch in diesem Jahr teilen.


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