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Hyundai Inster im Test: Mini-Stromer mit „Hab-dich-lieb-Potenzial“

29.08.2025 10:15 Uhr | Lesezeit: 3 min
Der Hyundai Inster wirkt auf die meisten Betrachter sympathisch.
© Foto: Michael Blumenstein

Variabilität ist der Trumpf des Hyundai Inster. Besser kann das keiner. Doch der Elektrokleinwagen beherrscht neben der City sogar die Langstrecke.

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3,83 Meter kurz, 1,61 Meter schmal und recht hoch (1,58 Meter, Obacht bei Duplex-Garagen) ist das Automobil, das viele als „süß“ bezeichnen. Manch einen erinnert der Hyundai Inster an den Suzuki Ignis. Doch die Heimat des Hyundai Inster ist nicht Japan, sondern nebenan, Korea. Dort rollt der Inster bereits seit 2021 als 15 Zentimeter kürzerer Hyundai Casper (Verbrenner) zu den Kunden und fortan auch als Casper Electric (technisch identisch mit „unserem“). Fun Fact: Der Inster Electric kostet dort etwa 30 Prozent weniger. Dass der Kleine ein Verkaufsschlager werden wird, war vorprogrammiert. Auch in Korea ist die Nachfrage so hoch, dass dort eine Lieferzeit von 13–22 Monate, je nach Ausstattung, bereits bei der Konfiguration vermeldet wird. 


Hyundai Inster Prime (49 kWh)

Hyundai Inster schräg von vorn vor Stahlwand fotografiert Bildergalerie

Hyundai Inster: Langstrecke funktioniert

Der Inster befindet sich in einem Segment, das Deutschland eigentlich aufgegeben hat – sowohl Hersteller als auch Käufer. Kleinstwagen gelten als unrentabel: zu teuer in Entwicklung und Sicherheit, zu wenig Nachfrage. Hyundai zeigt mit dem Inster, dass es auch anders geht – und liefert ein cleveres, vollwertiges Elektroauto in ganz klein, das sogar auf der Langstrecke funktioniert.

Voll geladen geht es auf die 415 Kilometer von München-Giesing zur Maria-Hilfer-Straße in Wien. Der große Reisekoffer passt unter die variable Gepäckraumabdeckung, wenn die Fondsitze um 16 Zentimeter nach vorn geschoben wurden. Freilich sitzen dann hinten nur noch Beinamputierte – oder eben niemand. Sind die 16 Zentimeter für Insassen gedacht, gibt es fast so viel Platz wie im Skoda Octavia (fast).

Aus München raus säuselt der Elektromotor sanft im Schuhbetrieb und der Inster wirbelt, angefacht durch ein kurzes Zucken mit dem rechten Fuß, über den Münchner Ring. Die erstklassige Hupe schindet Eindruck, als ein dicker GLE den zierlichen Koreaner übersieht. Das SUV zieht hektisch wieder rüber – und: Fahrer entschuldigt sich. Angenommen, weiter geht’s in Richtung A94.

Das Navi des Hyundai Inster kann nicht viel

Die Route weist uns allerdings nicht das stets serienmäßige Inster-Navi, denn das ist etwas dümmlich. Es zeigt lediglich Ladestationen in der näheren Umgebung an, nicht aber die, die auf der Route benötigt würden, und mit den Einbahnstraßen nimmt es die Software auch nicht so genau. Von einer Ladeplanung sollte man beim Inster also nicht einmal träumen. Daher erübrigt sich das an sich sinnvolle Vorkonditionieren des Akkus, um volle Ladeleistung zu erhalten. Zwar gelingt das Temperieren auch manuell, aber man vergisst es schlichtweg. Also Smartphone koppeln, und das ebenfalls stets serienmäßige Apple Carplay anschmeißen – per Kabel! Und zwar USB-A. Nach dem Koppeln sucht man in der „Charge myHyundai“-App nach der Ladeplanung, oder vielleicht doch in der „Hyundai Blue-Link“-App. Zudem hat man dann noch die Lade-App von Aral-DKV-EnBW-Maingau-Shell-XY. Plug-and-Charge kann der Inster theoretisch.

Es ist warm an diesem Vormittag, rund 26 Grad, daher ist das vergessene Vorkonditionieren ebenso wenig ein Problem wie die Ladeplanung, die macht man manuell. Die Klimaanlage hat also allerhand zu tun und die Taste „Driver only“, die Energie sparen soll und nur den Fahrerplatz klimatisiert, wird nicht gedrückt – cool, dass es sie gibt. Um die Strecke gut zu überstehen, sind Getränke nötig. Die passen zwischen die komfortablen Sitze ohne Seitenhalt, auf denen man im „Amistyle“ auch mal durchrutschen kann. Sofern die Mittelarmlehne nach hinten geklappt wurde und die zwei mittig platzierten Cupholder unbenutzt sind – sie bieten auch eher Pappbechern und 0,33er-Flaschen Halt. In den Türtaschen fehlt Platz – eigentlich für alles.

Reisegeschwindigkeit im Inster: 130 km/h

Wir stromern auf die A94 ostwärts Richtung Linz und setzen den Begrenzer bei 135 km/h – also echten 130 – und gewöhnen uns schonmal ans Maximaltempo, das Österreich vorschreibt. Sobald sich der Begrenzer in das selbst gewählte Speedlimit geschaukelt hat (dauert zirka fünf Sekunden), rollt der Wagen anstandslos. Auf weiten Teilen der A94 könnte der Inster zwar 150 km/h fahren, aber der Verbrauch steigt oberhalb von 130 spürbar an. Und die „Richtgeschwindigkeit“ geht der Inster gut mit. Zum Verbrauch kommen wir erst später.

Die großen 17-Zoll-Räder rollen ab Schnellstraßengeschwindigkeit geschmeidiger ab als in der Innenstadt – Langstreckenfahrkomfort ist also gewährleistet. Lediglich die Abrollgeräusche und die Windgeräusche sind im Hyundai Inster deutlich wahrnehmbar und höher als im Renault 5. Die Rekuperation ist über die Schaltpaddles einstellbar – recht aufwendig gelöst = teuer. Da der Segelmodus auf unserer Tour der beste ist, haben wir kaum „rumgespielt“.  

Infotainmentbildschirm mit geöffnetem Menü "Assistenzsysteme"
An Assistenten mangelt es im Hyundai Inster nicht, wohl aber an deren Manieren.
© Foto: Michael Blumenstein

Assistenzsystem-Overload auch im Inster

Bei den Assistenzsystemen schlagen zwei Herzen in der Brust des Autofahrers: Spurhalteassistent und Tempowarner können sehr einfach deaktiviert werden. Lenkradtaste links unten für zwei Sekunden drücken und der Spurassi ist aus; Lautstärke-Rolle rechts für drei Sekunden drücken und der Tempobimmler ist aus – für alle, die das wollen. Die Gesichtsüberwachung schaltet man am besten aus, indem man die Kamera auf der Lenksäule überklebt. Das ist jedoch keine Empfehlung, nur so eine Idee. Richtig nervig ist jedoch der Müdigkeitswarner. Keine 25 Kilometer hat es gedauert, bis sich das erste Mal die Kaffeetasse im Kombiinstrument und begleitendes Gebimmel meldeten. Okay, macht ja nichts. Doch wenn es sich nach 37, 50, 72, 94, 103, 178, 185 und 215 Kilometern wiederholt, wird es echt lästig. Es ist schön, dass es solche Systeme gibt, und viele erfreuen sich sicherlich daran und die Sicherheit wird erhöht. Doch für alle, die es nicht wollen, muss es eine Möglichkeit geben, diese „Hilfe“ zu deaktivieren – und sei es nur bis zum nächsten Stopp (wie beim Tempowarner und Spurhalteassistenten).


Hyundai Inster Prime (49 kWh)

  • Testwagenpreis 31.737 € (brutto)
  • Elektromotor | 85 kW/115 PS | 147 Nm
  • 150 km/h | 10,6 s
  • WLTP-Verbrauch: 15,1 kWh/100 km
  • WLTP-Reichweite: 360 km
  • Akkukapazität: 49 kWh (brutto)
  • Ladeleistung: AC 11 kW | DC 85 kW
  • Maße: 3.825 x 1.610 x 1.575 mm
  • Kofferabteil: 238–1.059 Liter
  • Versicherung: HK 13 | VK 23 | TK 21
  • Wartung: 2 Jahre/30.000
  • Garantie: 5 Jahre | 8 Jahr/160.000


Hyundai Inster: 250 km Autobahn-Reichweite und 10 Prozent „Puffer“

Wir sind nach 248 Kilometern am Ladepark in St. Valentin angekommen. Restkapazität: 10 Prozent, perfekt. Nettes Plätzchen mit 22 Ladepunkten von OMV (150–400 kW) plus sechs Ionity (350 kW) und zwei vom ÖAMTC (75 kW) in Wurfweite sowie vernünftiger Auswahl im Shop der angeschlossenen Tankstelle. Hier können sogar Lkw und damit auch E-Autos mit Anhänger ohne Rangieren geladen werden.

Ladepunkt suchen, Ladekarte dranhalten, CCS in die Nase stecken, los geht's. Nach kurzer Zeit schwingt sich die Ladeleistung auf 83 kW hinauf und hält den Wert erstaunlich lang. Im Mittel lag die Ladeleistung bis 82 Prozent SoC bei 65 kW. Weiter geht es nach rund 35 Minuten, die letzten 175 Kilometer bis in die österreichische Hauptstadt. Ohne Ladestopp, weiterhin mit Tempo 135 und Müdigkeitswarnungen im Akkord – es muss an meinem Fahrstil liegen.


Hyundai Ioniq 9 (Techniq RWD)

Heckansicht stehend des Hyundai Ioniq 9 Bildergalerie

Angekommen in Wien, geht es ans Parken. Kleines Auto = kein Parkplatzproblem. Das stimmt – im Prinzip. Der Inster hat jedoch ein weiteres Assistenzsystem an Bord, das Parkraum kostet. Im Untermenü „Sicherheit Parken“ befindet sich der abklickbare Punkt „Sicherheit hinten“.  Erklärt wird es folgendermaßen: „Warnung und Notbremsung bei Gefahr einer Kollision beim Rückwärtsfahren“. Was sich sinnvoll liest, kostet in der Praxis 25 Zentimeter (gemessen). Das ist der Abstand zum hinteren Fahrzeug, bei dem der Inster eine (unerwartete) Vollbremsung einlegt.

Nun kann man nach dem Zwangsstopp das System zwar überzeugen, auch die letzten Zentimeter auszunutzen (mit der Rückfahrkamera easy), doch das Losbrechmoment der aktivierten Feststellbremse ist so hoch, dass man aufpassen muss, dadurch nicht das hintere Fahrzeug zu touchieren. Ja, ausstellen lässt sich dieser „Parkassistent“, allerdings ebenfalls jedes Mal aufs Neue nach dem Motorstart und zwar im Unter-Untermenü. Liebe Automobilindustrie, nicht wundern, wenn bei vielen Menschen „alte“ Autos (der EU-Regelwahn wurde im Juli 2024 in Autos verpflichtend) an Attraktivität gewinnen und neue ebendiese verlieren.

Wendekreis des Hyundai Inster inakzeptabel

Und dennoch fühlt sich der Inster gerade in der City pudelwohl und wuselt mit seinen schmalen 1,61 Metern durch die engen Straßen von Paris, Rom, München oder eben Wien. Aber auch da gibt es einen Wermutstropfen: 11,4 Meter Wendekreis sind bei dem Zwerg inakzeptabel. Der Fiat 500e benötigt knapp unter 10 Meter, der Renault Twingo nur 8,6. Und sogar ein deutlich größerer Opel Corsa schafft die Drehung mit 10,7 Metern. In der Stadt kommt der Inster mit knapp 12 kWh auf 100 Kilometern aus. Wer auf der Autobahn „durchzieht“, landet bei knapp 17 – alles ohne Ladeverluste einzuberechnen. O oder so, prima Werte.

Der Inster startet zu Preisen, zu denen es auch einen 1.2-Turbo-Corsa mit Automatik gibt. Gerade bei den Kleinen ist nach wie vor ein Elektro-Obolus einzukalkulieren. Für mindestens 24.000 Euro (brutto) gibt es aber beim Inster eine vergleichsweise gute Ausstattung und somit sieben Airbags, Rückfahrkamera, Längs- und Höhenverstellung für Lenkrad und Fahrersitz, adaptiven Tempomat, Paddles fürs Rekuperieren, Klimaautomatik, schlüssellosen Zugang- und Motorstart, Navi (naja), Smartphone-Spiegelung (mit USB-A-Kabel) sowie elektrisch anklappbare Außenspiegel. Ebenfalls dabei: ausreichender 42-kWh-Akku und 97 PS. Sofern öfters längere Etappen angedacht sind, empfiehlt sich das Effizienzpaket (u. a. Wärmepumpe für 1.000 Euro) und fürs Gemüt die passende Farbe (570 Euro). Ein fast fairer Kurs.


Hyundai Palisade

Hyundai Palisade Bildergalerie

Jedoch fehlen dann noch die beschriebene Variabilität der Sitze (alle lassen sich schieben, umklappen und in der Neigung verstellen), eine Sitzheizung und eventuell rund 40 Extra-Kilometer aufgrund des von uns gefahrenen 49er-Akkus. All das gibt es erst ab der zweiten Ausstattung Trend für 26.000 Euro + 1.500 Euro für die 7 kWh größere Batterie und die (verzichtbare) Mehrleistung von 18 PS. Und wer die von uns beschriebene Prime-Ausstattung mit 49er-Akku, hübschen 17-Zoll-Alus und allerhand Schnickschnack inklusive Technikpaket sowie „Buttercream Yellow“ (Lack) bestellt, erhält eine Rechnung von 31.270 Euro und schielt (nach diesem Artikel) neidisch nach Korea.


Autotests von Autoflotte



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