3,83 Meter kurz, 1,61 Meter schmal und recht hoch (1,58 Meter, Obacht bei Duplex-Garagen) ist das Automobil, das viele als „süß“ bezeichnen. Manch einen erinnert der Hyundai Inster an den Suzuki Ignis. Doch die Heimat des Hyundai Inster ist nicht Japan, sondern nebenan, Korea. Dort rollt der Inster bereits seit 2021 als 15 Zentimeter kürzerer Hyundai Casper (Verbrenner) zu den Kunden und fortan auch als Casper Electric (technisch identisch mit „unserem“). Fun Fact: Der Inster Electric kostet dort etwa 30 Prozent weniger. Dass der Kleine ein Verkaufsschlager werden wird, war vorprogrammiert. Auch in Korea ist die Nachfrage so hoch, dass dort eine Lieferzeit von 13–22 Monate, je nach Ausstattung, bereits bei der Konfiguration vermeldet wird.
Hyundai Inster Prime (49 kWh)

Hyundai Inster: Langstrecke funktioniert
Der Inster befindet sich in einem Segment, das Deutschland eigentlich aufgegeben hat – sowohl Hersteller als auch Käufer. Kleinstwagen gelten als unrentabel: zu teuer in Entwicklung und Sicherheit, zu wenig Nachfrage. Hyundai zeigt mit dem Inster, dass es auch anders geht – und liefert ein cleveres, vollwertiges Elektroauto in ganz klein, das sogar auf der Langstrecke funktioniert.
Voll geladen geht es auf die 415 Kilometer von München-Giesing zur Maria-Hilfer-Straße in Wien. Der große Reisekoffer passt unter die variable Gepäckraumabdeckung, wenn die Fondsitze um 16 Zentimeter nach vorn geschoben wurden. Freilich sitzen dann hinten nur noch Beinamputierte – oder eben niemand. Sind die 16 Zentimeter für Insassen gedacht, gibt es fast so viel Platz wie im Skoda Octavia (fast).
Aus München raus säuselt der Elektromotor sanft im Schuhbetrieb und der Inster wirbelt, angefacht durch ein kurzes Zucken mit dem rechten Fuß, über den Münchner Ring. Die erstklassige Hupe schindet Eindruck, als ein dicker GLE den zierlichen Koreaner übersieht. Das SUV zieht hektisch wieder rüber – und: Fahrer entschuldigt sich. Angenommen, weiter geht’s in Richtung A94.
Das Navi des Hyundai Inster kann nicht viel
Die Route weist uns allerdings nicht das stets serienmäßige Inster-Navi, denn das ist etwas dümmlich. Es zeigt lediglich Ladestationen in der näheren Umgebung an, nicht aber die, die auf der Route benötigt würden, und mit den Einbahnstraßen nimmt es die Software auch nicht so genau. Von einer Ladeplanung sollte man beim Inster also nicht einmal träumen. Daher erübrigt sich das an sich sinnvolle Vorkonditionieren des Akkus, um volle Ladeleistung zu erhalten. Zwar gelingt das Temperieren auch manuell, aber man vergisst es schlichtweg. Also Smartphone koppeln, und das ebenfalls stets serienmäßige Apple Carplay anschmeißen – per Kabel! Und zwar USB-A. Nach dem Koppeln sucht man in der „Charge myHyundai“-App nach der Ladeplanung, oder vielleicht doch in der „Hyundai Blue-Link“-App. Zudem hat man dann noch die Lade-App von Aral-DKV-EnBW-Maingau-Shell-XY. Plug-and-Charge kann der Inster theoretisch.
Es ist warm an diesem Vormittag, rund 26 Grad, daher ist das vergessene Vorkonditionieren ebenso wenig ein Problem wie die Ladeplanung, die macht man manuell. Die Klimaanlage hat also allerhand zu tun und die Taste „Driver only“, die Energie sparen soll und nur den Fahrerplatz klimatisiert, wird nicht gedrückt – cool, dass es sie gibt. Um die Strecke gut zu überstehen, sind Getränke nötig. Die passen zwischen die komfortablen Sitze ohne Seitenhalt, auf denen man im „Amistyle“ auch mal durchrutschen kann. Sofern die Mittelarmlehne nach hinten geklappt wurde und die zwei mittig platzierten Cupholder unbenutzt sind – sie bieten auch eher Pappbechern und 0,33er-Flaschen Halt. In den Türtaschen fehlt Platz – eigentlich für alles.
Reisegeschwindigkeit im Inster: 130 km/h
Wir stromern auf die A94 ostwärts Richtung Linz und setzen den Begrenzer bei 135 km/h – also echten 130 – und gewöhnen uns schonmal ans Maximaltempo, das Österreich vorschreibt. Sobald sich der Begrenzer in das selbst gewählte Speedlimit geschaukelt hat (dauert zirka fünf Sekunden), rollt der Wagen anstandslos. Auf weiten Teilen der A94 könnte der Inster zwar 150 km/h fahren, aber der Verbrauch steigt oberhalb von 130 spürbar an. Und die „Richtgeschwindigkeit“ geht der Inster gut mit. Zum Verbrauch kommen wir erst später.
Die großen 17-Zoll-Räder rollen ab Schnellstraßengeschwindigkeit geschmeidiger ab als in der Innenstadt – Langstreckenfahrkomfort ist also gewährleistet. Lediglich die Abrollgeräusche und die Windgeräusche sind im Hyundai Inster deutlich wahrnehmbar und höher als im Renault 5. Die Rekuperation ist über die Schaltpaddles einstellbar – recht aufwendig gelöst = teuer. Da der Segelmodus auf unserer Tour der beste ist, haben wir kaum „rumgespielt“.

Assistenzsystem-Overload auch im Inster
Bei den Assistenzsystemen schlagen zwei Herzen in der Brust des Autofahrers: Spurhalteassistent und Tempowarner können sehr einfach deaktiviert werden. Lenkradtaste links unten für zwei Sekunden drücken und der Spurassi ist aus; Lautstärke-Rolle rechts für drei Sekunden drücken und der Tempobimmler ist aus – für alle, die das wollen. Die Gesichtsüberwachung schaltet man am besten aus, indem man die Kamera auf der Lenksäule überklebt. Das ist jedoch keine Empfehlung, nur so eine Idee. Richtig nervig ist jedoch der Müdigkeitswarner. Keine 25 Kilometer hat es gedauert, bis sich das erste Mal die Kaffeetasse im Kombiinstrument und begleitendes Gebimmel meldeten. Okay, macht ja nichts. Doch wenn es sich nach 37, 50, 72, 94, 103, 178, 185 und 215 Kilometern wiederholt, wird es echt lästig. Es ist schön, dass es solche Systeme gibt, und viele erfreuen sich sicherlich daran und die Sicherheit wird erhöht. Doch für alle, die es nicht wollen, muss es eine Möglichkeit geben, diese „Hilfe“ zu deaktivieren – und sei es nur bis zum nächsten Stopp (wie beim Tempowarner und Spurhalteassistenten).