Die Frage haben sich vermutlich viele werdende Eltern (im Scherz) gestellt: Soll das eigene Kind lieber bildhübsch sein oder sehr intelligent? Die Frage dahinter ist meist: Wie kommt man im Leben (einfacher) weiter? Weniger relevant ist diese Frage beim Automobil, wo man sie auch stellen könnte: schönes Design oder perfekte Funktion? Verschiedenste Beweise der letzten 50 Jahre zeigen, dass es auf das Aussehen weniger ankommt. Alfa Romeos Giulia ist so ein Beispiel oder Peugeots 508 und: der Mazda 3 – zweifelsohne eines der schönsten Kompaktklasse-Fahrzeuge. Der Toyota Prius war das Gegenteil, verkaufte sich dennoch wie geschnitten Brot. Seine „inneren Werte“ überzeugten – vor allem weltweit. Und man muss auch den Tesla Model Y mit in diese Liste aufnehmen. Schön? Eher nicht. Aber ein Verkaufsschlager. Und ein Konkurrent des Mazda CX-6e.
Mazda CX-6e (78 kWh)
Mazda CX-6e mit Blick auf Tesla Model Y
Einig sind sich beide nicht nur bei den Abmessungen. Beide verzichten auf ein klassisches Kombiinstrument. Tesla „erfand“ den fehlenden Tachometer und begnügte sich mit der Tempoanzeige im Infodisplay oben links. Volvo EX30 und beispielsweise der Deepal S07 machen es auch so – und eben der Mazda CX-6e. Dass es bei den letztgenannten so ist, verwundert kaum. Der Mazda ist ein Deepal S07, der wiederum zum Changan-Konzern gehört. So steht im Mazda-Fahrzeugschein als Hersteller „Changan“. Das ist beim Mazda 6e bereits so und eben auch beim dritten E-Modell von Mazda (der Mazda MX-30 war der erste und ein echter Mazda). Ohne Kooperationen wird es für kleine Hersteller mit sehr individueller Technik, wie sie Mazda (und Subaru) anbietet schwierig, langfristig zu überleben. 2025 produzierte Mazda knapp 1,2 Millionen Autos. Tesla hat mit Model 3 und Model Y etwa 500.000 Autos mehr produziert.
Das zeigt deutlich das Dilemma, in dem der japanische Hersteller steckt. Dass Changans Deepal S07 als Basis herangezogen wurde, verwundert indes nicht. Mazda und Changan haben seit 2005 ein Bündnis und Changan produziert in Nanjing Mazda-Modelle für den chinesischen Markt und nun auch für den europäischen.
Optisch erkennt man beim Mazda CX-6e seine Abstammung nicht. Sogar die Ladeklappe wanderte von links nach rechts. Und das Mazda-Design ist genau, was es sein soll: Mazdaesk. Besonders ist die Luftführung auf der Motorhaube. Wie beim Polestar 3 gleitet der Wind im vordersten Bereich kurz unter der Haube durch. Was das bringen soll? Aerodynamische Vorteile eher nicht. Mit einem CW-Wert von 0,29 reiht sich der Mazda CX-6e weit hinten ein. Und wer 21-Zoll-Räder montiert, rutscht ab auf wandschrankmäßige 0,30. Es ist also ein Gimmick, und zwar eins, das nach der Waschstraße Handarbeit verlangt. Ähnlich sieht es mit den „Kiemen“ in der C-Säule aus. Wirkt superstylish, ist aber unpraktisch.
Mazda CX-6e: Riesendisplay ohne Mehrwert
Wir schauen, ob das Besondere innen weitergeht. Tut es. Das Zentraldisplay ist nicht mehr zentral, sondern auf die Beifahrerseite ausgedehnt und damit „aus der Mitte“. Das wirkt nicht nur merkwürdig, es hat auch keinen Mehrwert. Nicht einmal für den Beifahrer. Der kann jetzt zwar seine Temperatur direkt vor sich mit der rechten Hand verändern und sich theoretisch mit ein paar Apps vergnügen. In der Praxis stört das Riesendisplay, das sich auch nicht (teilweise) deaktivieren lässt und die relevanten Infos fürs Fahren eh nur links bis maximal mittig anzeigt. Die Navikarte kann sich über die gesamte Breite erstrecken – das braucht jedoch kein Mensch.
Shortcuts lassen sich vom linken Displayrand und von oben „herausziehen“. Diese sind individualisierbar, aber nicht in Gänze befriedigend. Der Spurhalteassistent und die Gesichtsüberwachung, beide durchaus auffällige Kandidaten mit „Cancelpotenzial“, lassen sich weder dort ablegen noch in die zwei Favoritentasten (Sternsymbol) im Lenkrad. Da kann man beispielsweise den Tempowarner setzen und durch einen langen Druck die Lenkradheizung aktivieren. Ebenso kann über die zweite Sterntaste die Rekuperation in vier Stufen sehr schnell verändert werden – One-Pedal-Drive gibt es nicht.
Mazda CX-6e: Bedienung und Sitze mit Potenzial
Das Menü ist zerklüftet, Schriften brechen „ungünstig“ um und die Philosophie leuchtet nicht immer ein. Ist man beispielsweise im Navi-Modus und möchte übers Display andere Einstellungen verändern, gelangt man über die Home-Taste nicht wieder ins Navimenü. Dafür bedarf es unter Umständen drei ablenkender Bedienschritte. Das fehlende Kombiinstrument stört indes nicht. Denn die zwei erhältlichen Ausstattungslinien des Mazda CX-6e, Takumi und Takumi Plus, haben serienmäßig ein gut ablesbares Head-up-Display an Bord. Dass man im Display die Lackierung des visualisierten CX-6e in fast jede Farbe verändern kann, zeugt vom Spieltrieb, nicht aber von Nutzenrelevanz.
Die Sitzposition im Mazda CX-6e ist gut. Das Lenkrad lässt sich weit verstellen, die beiden Vordersitze ebenfalls. Allerdings fehlt für den Beifahrer immer die Höhenverstellung. Diese gibt es für die vorderen Sicherheitsgurte. Das ist in der Klasse ungewöhnlich und die Sitzposition hoch. Ebenso sind die Sitzflächen zu kurz und etwas mehr Schulterunterstützung wäre wünschenswert.
Mittlerweile fast Standard in Neuwagen: Glasdächer. Auch im CX-6e ist ein solches installiert und ein echtes Rollo. Das gilt mittlerweile fast als Qualitätsmerkmal. Generell gibt es am Haptikerlebnis im CX-6e wenig zu kritisieren. Die Materialien fühlen sich gut an – meistens. Etwas billig wirkt die Blende an der Stelle, an der normalerweise der Tacho sitzt. Als staubanziehend erweist sich mal wieder der Klavierlack, der im CX-6e noch immer zum Einsatz kommt.