Mazda CX-6e (78 kWh): Schöner Schein

08.09.2026 10:07 Uhr | Lesezeit: 4 min
Der Mazda CX-6e sieht (für die meisten) sehr gut aus. Beim Design differenzieren sich die Japaner in fast jedem Detail vom Deepal S07, dem "Original". 
© Foto: Michael Blumenstein

Mazda kann Design. Auch beim neuen Mazda CX-6e zeigen die Japaner Schönes. Ob Schönheit alleine ausreicht, zeigt unser erster Kontakt auf der Straße.

Die Frage haben sich vermutlich viele werdende Eltern (im Scherz) gestellt: Soll das eigene Kind lieber bildhübsch sein oder sehr intelligent? Die Frage dahinter ist meist: Wie kommt man im Leben (einfacher) weiter? Weniger relevant ist diese Frage beim Automobil, wo man sie auch stellen könnte: schönes Design oder perfekte Funktion? Verschiedenste Beweise der letzten 50 Jahre zeigen, dass es auf das Aussehen weniger ankommt. Alfa Romeos Giulia ist so ein Beispiel oder Peugeots 508 und: der Mazda 3 – zweifelsohne eines der schönsten Kompaktklasse-Fahrzeuge. Der Toyota Prius war das Gegenteil, verkaufte sich dennoch wie geschnitten Brot. Seine „inneren Werte“ überzeugten – vor allem weltweit. Und man muss auch den Tesla Model Y mit in diese Liste aufnehmen. Schön? Eher nicht. Aber ein Verkaufsschlager. Und ein Konkurrent des Mazda CX-6e.


Mazda CX-6e (78 kWh)

Mazda CX-6e schräg von vorn vor Wald fotografiert Bildergalerie

Mazda CX-6e mit Blick auf Tesla Model Y

Einig sind sich beide nicht nur bei den Abmessungen. Beide verzichten auf ein klassisches Kombiinstrument. Tesla „erfand“ den fehlenden Tachometer und begnügte sich mit der Tempoanzeige im Infodisplay oben links. Volvo EX30 und beispielsweise der Deepal S07 machen es auch so – und eben der Mazda CX-6e. Dass es bei den letztgenannten so ist, verwundert kaum. Der Mazda ist ein Deepal S07, der wiederum zum Changan-Konzern gehört. So steht im Mazda-Fahrzeugschein als Hersteller „Changan“. Das ist beim Mazda 6e  bereits so und eben auch beim dritten E-Modell von Mazda (der Mazda MX-30 war der erste und ein echter Mazda). Ohne Kooperationen wird es für kleine Hersteller mit sehr individueller Technik, wie sie Mazda (und Subaru) anbietet schwierig, langfristig zu überleben. 2025 produzierte Mazda knapp 1,2 Millionen Autos. Tesla hat mit Model 3 und Model Y etwa 500.000 Autos mehr produziert.

Das zeigt deutlich das Dilemma, in dem der japanische Hersteller steckt. Dass Changans Deepal S07 als Basis herangezogen wurde, verwundert indes nicht. Mazda und Changan haben seit 2005 ein Bündnis und Changan produziert in Nanjing Mazda-Modelle für den chinesischen Markt und nun auch für den europäischen.

Optisch erkennt man beim Mazda CX-6e seine Abstammung nicht. Sogar die Ladeklappe wanderte von links nach rechts. Und das Mazda-Design ist genau, was es sein soll: Mazdaesk. Besonders ist die Luftführung auf der Motorhaube. Wie beim Polestar 3 gleitet der Wind im vordersten Bereich kurz unter der Haube durch. Was das bringen soll? Aerodynamische Vorteile eher nicht. Mit einem CW-Wert von 0,29 reiht sich der Mazda CX-6e weit hinten ein. Und wer 21-Zoll-Räder montiert, rutscht ab auf wandschrankmäßige 0,30. Es ist also ein Gimmick, und zwar eins, das nach der Waschstraße Handarbeit verlangt. Ähnlich sieht es mit den „Kiemen“ in der C-Säule aus. Wirkt superstylish, ist aber unpraktisch.

Breitbanddisplay im Mazda CX-6e im Detail fotografiert
Der Fahrer des Mazda CX-6e hat vom Riesendisplay kaum einen Vorteil. Der Beifahrer ebenfalls nicht. Dafür ist es nachts hell, da nicht (in Teilen) abschaltbar.
© Foto: Michael Blumenstein

Mazda CX-6e: Riesendisplay ohne Mehrwert

Wir schauen, ob das Besondere innen weitergeht. Tut es. Das Zentraldisplay ist nicht mehr zentral, sondern auf die Beifahrerseite ausgedehnt und damit „aus der Mitte“. Das wirkt nicht nur merkwürdig, es hat auch keinen Mehrwert. Nicht einmal für den Beifahrer.  Der kann jetzt zwar seine Temperatur direkt vor sich mit der rechten Hand verändern und sich theoretisch mit ein paar Apps vergnügen. In der Praxis stört das Riesendisplay, das sich auch nicht (teilweise) deaktivieren lässt und die relevanten Infos fürs Fahren eh nur links bis maximal mittig anzeigt. Die Navikarte kann sich über die gesamte Breite erstrecken – das braucht jedoch kein Mensch.

Shortcuts lassen sich vom linken Displayrand und von oben „herausziehen“. Diese sind individualisierbar, aber nicht in Gänze befriedigend. Der Spurhalteassistent und die Gesichtsüberwachung, beide durchaus auffällige Kandidaten mit „Cancelpotenzial“, lassen sich weder dort ablegen noch in die zwei Favoritentasten (Sternsymbol) im Lenkrad. Da kann man beispielsweise den Tempowarner setzen und durch einen langen Druck die Lenkradheizung aktivieren. Ebenso kann über die zweite Sterntaste die Rekuperation in vier Stufen sehr schnell verändert werden – One-Pedal-Drive gibt es nicht.

Mazda CX-6e: Bedienung und Sitze mit Potenzial

Das Menü ist zerklüftet, Schriften brechen „ungünstig“ um und die Philosophie leuchtet nicht immer ein. Ist man beispielsweise im Navi-Modus und möchte übers Display andere Einstellungen verändern, gelangt man über die Home-Taste nicht wieder ins Navimenü. Dafür bedarf es unter Umständen drei ablenkender Bedienschritte. Das fehlende Kombiinstrument stört indes nicht. Denn die zwei erhältlichen Ausstattungslinien des Mazda CX-6e, Takumi und Takumi Plus, haben serienmäßig ein gut ablesbares Head-up-Display an Bord. Dass man im Display die Lackierung des visualisierten CX-6e in fast jede Farbe verändern kann, zeugt vom Spieltrieb, nicht aber von Nutzenrelevanz.

Die Sitzposition im Mazda CX-6e ist gut. Das Lenkrad lässt sich weit verstellen, die beiden Vordersitze ebenfalls. Allerdings fehlt für den Beifahrer immer die Höhenverstellung. Diese gibt es für die vorderen Sicherheitsgurte. Das ist in der Klasse ungewöhnlich und die Sitzposition hoch. Ebenso sind die Sitzflächen zu kurz und etwas mehr Schulterunterstützung wäre wünschenswert.

Mittlerweile fast Standard in Neuwagen: Glasdächer. Auch im CX-6e ist ein solches installiert und ein echtes Rollo. Das gilt mittlerweile fast als Qualitätsmerkmal. Generell gibt es am Haptikerlebnis im CX-6e wenig zu kritisieren. Die Materialien fühlen sich gut an – meistens. Etwas billig wirkt die Blende an der Stelle, an der normalerweise der Tacho sitzt. Als staubanziehend erweist sich mal wieder der Klavierlack, der im CX-6e noch immer zum Einsatz kommt.


Mazda CX-6e Takumi

Preis: ab 49.990 € (brutto)
PSM-E-Motor | Hinterradantrieb
190kW/258 PS | 290 Nm
7,9 s | 185 km/h |1-Gang-AT
WLTP: 19,4 kWh (21 Zoll)
Reichweite: 468 km
LFP-Akku: 78 kWh (brutto)
Laden: AC 11 kW | DC 200 kW
Maße: 4.850 x 1.935 x 1.620 mm
Kofferraum: 468–1.434 + 80 (Frunk) Liter
Versicherung: KH 17 | TK 23 | VK 29
Service: jährlich/20.000 km
Garantie: 6 Jahre/150.000 km
Akku: 8 Jahre/160.000 km



Cleveres Zubehör für den Mazda CX-6e

Das Raumangebot im CX-6e ist durchschnittlich gut – für vier Personen. 470 Liter passen ins Heck, diese können auch an Haken gesichert werden. Obacht beim Einladen: Die Heckklappe öffnet nur für Menschen bis 180 Zentimeter. Im Zubehörprogramm hat Mazda cleveres Zeug: Zum Beispiel eine Ablage für Krimskrams, die unter das Gepäckrollo passt (120 Euro, siehe Foto). Und da der Mazda CX-6e ein Hecktriebler ist, gibt es im Bug noch einen Frunk. Dieser lässt sich mittels feiner Filzwanne (ebenfalls 120 Euro) sinnvoll auskleiden und besser nutzen. Der Frunk öffnet durch zweimaliges Ziehen der Motorhaubenentriegelung.

Beim Fahren fällt der Mazda CX-6e durch eine gewisse Behäbigkeit auf. Und dabei ist nicht die Motorleistung von 258 PS im Verbund mit dem Mindestgewicht von 2,2 Tonnen gemeint. Der CX-6e fühlt sich schwer an. Okay, mit 2,2 Tonnen ist er das auch. 550 davon entfallen auf den LFP-Akku. Das Gefühl ist jedoch nicht unangenehm, aber auffallend. Ebenso auffallend: die Lenkung. Denn sie hinterlässt einen durchweg positiven Eindruck. Würde sich nun noch der Langsamfahrkomfort auf das letzte Drittel des Wortes fokussieren, wäre nichts am Fahrverhalten zu kritisieren. Unser Testwagen hatte die aufpreispflichtigen 21-Zoll-Räder montiert. Vermutlich sind die serienmäßig montierten 19-Zöller die bessere Wahl.

Foto des geöffneten Kofferraums am Mazda CX-6e
Tolle Ablage unter dem Gepäckraumrollo. Kostenpunkt: 120 Euro (brutto).
© Foto: Michael Blumenstein

Takumi Plus stets mit Kameraspiegel

Wir fuhren die Ausstattungslinie Takumi, die günstigere und empfehlenswertere der beiden (es gibt noch Takumi Plus, plus 3.000 Euro). Warum? Beim Takumi Plus sind immer alle Spiegel als Kameravariante ausgeführt. Das muss man mögen. Leider ragen auch die Spiegelarme weit heraus und dezimieren die Breite um nur zehn Millimeter (2.088 Millimeter).

Die Übersicht von innen nach außen ist im Mazda CX-6e ähnlich schlecht wie bei den meisten aktuellen SUV. Auch deswegen sind eventuell immer mehr Assistenzsysteme an Bord. Eins, das stören könnte: der Piepton, der ab dem Einlegen des Rückwärtsgangs ertönt. Bei Lkw durchaus üblich, ist es beim Pkw nervig. Ruhe herrscht dafür beim Fahren. Der Mazda CX-6e ist vorzüglich geräuschisoliert, auch bei schneller Autobahnfahrt.

Zurück zum „Leistungsgewicht“: Der CX-6e beschleunigt in flinken acht Sekunden aus dem Stand aufs maximal erlaubte Landstraßentempo. Sportwagenmäßig ist der CX-6e freilich nicht. Dafür wird erst bei Tacho 185 km/h der Anker geworfen. Gut 19 kWh stehen als WLTP-Wert mit 21-Zoll-Rädern im Prospekt. Das ist konservativ bewertet und war auf unseren 260 Testkilometern inklusive Autobahn-Vollastanteil spielend machbar. Dass der Akku mit brutto 78 kWh nicht zu den größten im Segment gehört, ist klar. Und mit den großen Rädern büßt der CX-6e 16 Kilometer Reichweite ein. So stehen in der Theorie 468 Kilometer parat – beim Start mit „randvollem“ Akku. Auf der Langstrecke werden daraus – mit 10-80-Prozent-Regel – eher 380 Kilometer. Dann sollte der DC-Schnelllader in Sichtweite sein. Das 400-Volt-Bordnetz lässt einen Maximalwert von 200 kW zu. 24 Minuten gibt Mazda für den benannten „Ladesprint“ an. Durchaus akzeptabel in der Preisklasse.

50.000 Euro für den CX-6e – so teuer wie Teslas Model Y

Beim AC-Laden fokussiert sich Mazda aufs 11-kW-Laden, eine schnellere Option gibt es nicht. 2027, im ersten vollen Verkaufsjahr, will Mazda Deutschland etwa 7.000 CX-6e an Kunden bringen. Das ist ambitioniert. Es könnte jedoch gelingen, wenn die Kraftstoffpreise weiterhin hoch bleiben und hier und da attraktive Leasingangebote offeriert werden. Denn 50.000 Euro stehen erst einmal in der Preisliste. Und damit konkurriert der Japan-Chinese mit dem Tesla Model Y (ab 48.000 Euro) und beispielsweise mit dem sehr geräumigen und sparsamen Peugeot E-5008.


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